Titel: N'oubliez jamais
Autor: Rieke
Spoiler: Dead Alive
Rating: G-6
Kategorie: SSR, MSR, post-Epi
Wordcount: 2.985
Disclaimer: Alles nicht meins. Die Figuren sind Eigentum von Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions.
Short-Cut: In den Tagen nach Mulders Tod kommen sich Scully und Skinner näher...

N'oubliez jamais
Mulder ist tot.
xxx
"Ich kann das einfach nicht. Ich kann da noch nicht hin."
Dana Scully riss die Tür zum Büro von Assistend Director Skinner auf. Er war gerade auf dem Weg nach draußen gewesen und fand sich so unvermittelt der rothaarigen Frau gegenüber.
"Scully, beruhigen Sie sich erst mal. Was ist los?"
"Ich... ich kann noch nicht wieder arbeiten. Ich... ich bringe das einfach nicht fertig. Ich möchte Urlaub beantragen."
Es fiel ihr schwer das zuzugeben.
"Es verlangt doch auch keiner von Ihnen gleich jetzt wieder an die Arbeit zu gehen. Gehen Sie nach Hause. Ich habe Ihnen schon gestern gesagt, dass Sie sich ein paar Tage frei nehmen sollen." Mit gesengter Stimme sprach er weiter:
"Ich weiß, dass Mulder ihnen sehr viel bedeutet hat."
Scully sah zu ihrem Vorgesetzten auf. Sie wusste, er verstand sie, aber trotzdem hatte sie das Gefühl sich erklären zu müssen:
"Ich kann einfach nicht begreifen, dass er nicht mehr da sein soll. Wenn ich die Tür zum Büro öffne denke ich, jetzt sitzt er hinter seinem Schreibtisch und wartet auf mich. Aber er ist nicht da."
Sie sprach stockend und ihre Stimme wurde immer leiser.
"Wenn ich dann alleine dort unten sitze meine ich, dass jeden Moment die Tür aufgehen müsste und er hinein kommt. Aber wenn, dann ist es Agent Doggett und nicht er.
Der Raum wirkt plötzlich so kalt, er ist so leer und leblos ohne ihn."
Der Assistend Director sah die zierliche Person vor ihm mitfühlend an.
"Glauben Sie mir, ich weiß was Sie fühlen. Es kommt Ihnen vor wie das Ende. Sie haben das Gefühl, ohne ihn ist das ganze Leben sinnlos. Sie wollen sich irgendwo verkriechen, wo er niemals gewesen ist. An einem Ort ohne Erinnerung an ihn. Ich würde Ihnen gerne sagen, dass das bald vorbei ist, aber das wäre gelogen. Irgendwann werden Sie akzeptieren, dass er nicht mehr da ist und mit der Zeit tut es weniger weh. Aber aufhören wird es nie. Und das ist auch gut so. Wir müssen die Erinnerung an ihn wie einen kostbaren Schatz bewahren, denn so lebt er in uns weiter. In unserer Erinnerung."
Skinner merkte, dass Scully mit den Tränen kämpfte. Sie sah so unglaublich verloren aus. Bevor sie etwas sagen konnte, nahm er sie einfach in die Arme und hielt sie fest. Sie war dankbar dafür einen Freund zu haben bei dem sie sich anlehnen konnte. Die Tränen ließen sich jetzt nicht mehr aufhalten. Noch vor ein paar Wochen hätte sie sich nie erlaubt in Gegenwart anderer so etwas wie Schwäche zu zeigen, doch ihre Schwangerschaft und nicht zuletzt Mulders Tod hatten sie verändert. Lange stand sie einfach so da, gehalten von diesen tröstenden Armen und weinte.
Eine Woche später
Mit schnellem Schritt eilte Walter Skinner den Gang entlang. Gleich nachdem er das wichtigste erledigt hatte, war er hierher gefahren. Scullys Urlaub war vorbei, doch trotzdem war sie heute morgen nicht im Büro erschienen. Niemand hatte Nachricht von ihr und sie meldete sich den ganzen Vormittag nicht. Das passte nicht zu ihr. Durch seine innere Unruhe, die ihre Abwesenheit ausgelöst hatte, getrieben, hielt es ihn nicht länger in seinem Büro. Vor der Wohnungstür stoppte er. Natürlich würde er ihr ein paar Vorwürfe nicht ersparen können,
doch als er ihr dann gegenüber stand war alles vergessen. Sie sah furchtbar aus. Fahl und blass. Zwei müde Augen blickten ihn träge an. Aller Glanz schien daraus entwichen zu sein. Die dunklen Ringe darunter zeigten deutlich dass sie offenbar seit längerem nicht mehr geschlafen hatte. Sie sagte nichts, deutete ihm nur mit einer kurzen Bewegung des Kopfes an, dass er hereinkommen solle.
"Sie sind nicht im Büro gewesen", begann er. "Ich habe mir Sorgen gemacht."
"Sir. Ich... ich fühle mich nicht gut", erwiderte sie leise in entschuldigendem Ton. "Ich wollte anrufen, aber die Telefonleitung ist bei dem Sturm heute nacht beschädigt worden und darum geht mein Telefon heute nicht und dann ist auch noch der Akku vom Handy leer."
Skinner lächelte. Diese Entschuldigung musste heute reichen.
"Möchten Sie was trinken? erinnerte sich Scully an ihre Höflichkeit.
"Gern." Er nickte und folgte ihr in die Küche. Etwas an ihrem Gang war seltsam, er war irgendwie schleppender als sonst. Doch das Auffälligste im Moment war, dass sie immer langsamer wurde. Bis an ihr Ziel kam sie dann auch nicht mehr. Kurz vor der Küchentür brach sie zusammen. Skinner konnte sie gerade noch davon abhalten gegen den Türrahmen zu knallen. Er fing ihren Sturz ab und legte sie vorsichtig auf den Boden.
"Scully, können Sie mich hören?" Besorgt beugte er sich über sie.
Doch schon nach ein paar bangen Sekunden schlug sie die Augenlieder wieder auf.
"Ist alles okay?"
"Es geht schon wieder", wisperte sie.
"Sie sollten sich etwas hinsetzten." Er half ihr hoch und führte sie zur Couch. An ihrer Mühe aufzustehen merkte er wie schwach sie eigentlich war. Auch kam es ihm vor als hätte sie seit er sie das letzte Mal gesehen hatte, etwas abgenommen.
"Haben Sie heute überhaupt schon was gegessen? fragte er einer Ahnung folgend.
Sie schüttelte den Kopf. "Ich habe keinen Hunger."
"Scully, Sie müssen doch etwas essen. Sie als Ärztin sollten das doch viel besser wissen als ich. Denken Sie an ihr Baby. Sie dürfen nicht vergessen, dass Sie jetzt nicht mehr nur für sich allein verantwortlich sind. Werfen Sie so etwas kostbares nicht einfach weg."
"Ich kann nicht. Ich bringe einfach nichts herunter." Ihre Augen waren ein einziger Ausdruck von Kummer. Skinner lächelte sie an. "Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie ruhen sich hier auf der Couch aus und ich koche etwas für uns. Vorausgesetzt Sie erlauben es mir. Und dann werden wir ja sehen ob Sie wirklich nichts essen wollen."
Scully nickte matt und gestattete ihm ihre Küche zu benutzen. Sofort machte er sich an die Arbeit.
Schon nach kurzer Zeit erfüllte ein wohliger Essensduft das Appartement. Während Skinner in der Küche werkte, lag Scully auf der Couch und schaute ihm dabei, soweit es möglich war, durch die offen stehende Tür zu. Er schien zu wissen, was er tat. Sie war unendlich dankbar darüber, dass er sich so um sie kümmerte, denn sie musste wirklich etwas zu sich nehmen und der Geruch, der ihr nun in die Nase stieg, tat sein übriges dazu um sie ihren Hunger verspüren zu lassen.
"Wenn das auch noch so gut schmeckt, wie es riecht, dann schätze ich haben Sie gewonnen."
Der Angesprochene steckte seinen Kopf durch die Tür um Scully ein siegessicheres Lächeln zu schenken.
"Das will ich doch hoffen." Bemerkte er und verschwand wieder aus ihrem Blickfeld.
"Wo haben Sie so kochen gelernt?"
Scully war sichtlich überrascht. Sie saß noch immer auf der Couch einen dampfenden Teller vor sich, den Skinner ihr gebracht hatte. Schon nach wenigen bissen hatte sich ihr Hunger zur Gänze zurückgemeldet. Es schmeckte fantastisch.
"Ich hatte eine im Kochen sehr begabte Mutter. Sie hat mir schon als Kind sehr viel beigebracht." Er lächelte Scully über den Tellerrand hinweg an und aß weiter.
Die kleine Frau hielt inne und dachte daran, wie wenig sie im Grunde über den Mann der ihr gegenüber saß wusste. Er sprach nie über private Dinge und wenn dann nur sehr wenig. Doch das was sie mit Sicherheit über ihn wusste war, das er immer für sie da sein würde. Und das war mehr als genug.
"Danke", sagte sie plötzlich. "Danke für alles." Aus ihren Augen sprach ehrliche Dankbarkeit.
"Ist schon in Ordnung", erwiderte er abwertend. Doch Scully merkte, dass er nicht recht wusste, was er sagen sollte und ihm die Situation etwas unangenehm war. So schüttelte sie nur leicht den Kopf und führte die Gabel wieder zum Mund.
Von nun an kam er jeden Tag vorbei. Scully blieb auch weiterhin der Arbeit fern, doch für die nächsten Tage hatte sie sich von ihrem Arzt entschuldigen lassen. Skinner kam meist Abends zu ihr um sie abzuholen und irgendetwas zu unternehmen. "Du musst hier raus" hatte er gesagt. "Etwas anderes sehen als nur deine eigenen Wände". Sie waren zusammen ins Kino, Eis essen, worauf Scully an diesem Tag Heißhunger verspürt hatte, gegangen oder einfach nur Spazieren. Irgendwann waren sie zum Du übergegangen, ohne es recht zu bemerken. Beide hatten das Gefühl, dass das förmliche Sie nicht mehr angebracht war und so ließen sie es beim Du. Heute hatte er sie zu seinem Auto geführt und war einfach losgefahren, ohne ihr zu sagen wohin. Irgendwann, Scully hatte nicht die geringste Ahnung wo sie waren, hielt er an und bedeutete ihr auszusteigen. Sie mussten irgendwo fern der Stadt sein. Grüne Wiesen und große Bäume hatten die Straße gesäumt auf der sie hergekommen waren. Die Luft war klar und rein. Scully atmete tief durch. In der Nähe hörte sie es rauschen, wie von Wasser. Es war schon spät, doch noch erfüllte die Sonne den Tag mit ihrem letzten Licht. Der Himmel verfärbte sich langsam in gelb, orange und Rottönen.
"Komm mit, sonst verpassen wir es." Er nahm sie an die Hand und führte sie ein Stück weit fort. Jetzt konnte sie sehen, woher das Rauschen kam. Sie waren am Meer. Einen Sandstrand gab es hier nicht, große Felsen und grünes Gras bildeten das Ufer. Skinner hatte eine Decke mitgebracht, die er auf einem schmalen Grasstreifen zwischen zwei Felsen ausbreitete. Sie setzten sich und er deutete aufs Meer hinaus. Die Sonne ging unter.
"Nur hier hat man einen so schönen Blick auf den Sonnenuntergang" erklärte er.
"Es ist wunderschön." Scully lehnte sich an den Mann neben ihr. Er legte einen Arm um sie und schweigend sahen sie sich die verzaubernde Vorführung des Himmels an.
Scully ging es von Tag zu Tag besser. Auch kam sie wieder zur Arbeit. Eines Morgens war sie einfach wieder da gewesen. Agent Doggett brauchte sie und ihr wissen. Sie hatte entschieden, dass sie ihn nicht länger alleine lassen durfte. Skinners Besuche wurden dadurch seltener, da sie die Arbeit wieder ganz in Anspruch nahm. Er kam nur noch wenn sie sich vorher verabredet hatten.
Heute war wieder einer dieser Tage an denen er zu ihr kommen würde. Sie wollten sich einen gemütlichen Videoabend machen. Und diesmal hatte Scully vor etwas für ihn zu kochen. Doggett und sie hatten früh Feierabend gemacht, da es im Büro nichts mehr zu tun gab. Nun ertappte sich Scully dabei wie sie den ganzen Nachmittag nur darauf wartete, dass er vor der Tür stand. Es fiel ihr schwer sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Sie hatte sich an ihn gewöhnt und musste sich nun eingestehen, dass ihr seine Nähe fehlte. Er hatte es in den letzten Wochen geschafft sie von ihren trüben Gedanken an Mulder abzulenken, doch überwunden hatte sie dessen Tod noch lange nicht. Tagsüber ging es ganz gut und sie lebte ihr leben. Aber Nachts wenn sie wieder allein in ihrem Bett lag, waren die Bilder wieder da. Mulders toter Körper, wie sie ihn gefunden hatten. Gezeichnet durch die Pain, die man ihm angetan hatte. Unscharf durch ihren tränenverschleierten Blick, doch deutlich genug kehrte das Bild jede Nacht zurück. Lange Stunden lag sie wach, bis der Schlaf sie endlich zu sich ließ. Doch dann kamen die schweren Träume, die sie keine Ruhe finden ließen.
Nach dem Essen, saßen Scully und Skinner auf der Couch und sahen sich einen alten Videofilm an. Eine Weile schauten sie schweigend, doch dann stieß Scully plötzlich leise einen überraschten Laut aus. In ihr machte sich jemand bemerkbar. Das war nichts neues, aber normalerweise schlief das Baby um diese Zeit und sie hatte nicht mit einem solch heftigen Tritt gerechnet. Als sie Skinners besorgtes Gesicht sah nahm sie seine Hand und legte sie auf ihren inzwischen prallen Bauch. Jetzt konnte er es auch spüren, wie das Kind sich bewegte. Und zum ersten Mal seit langer Zeit lächelte Scully. Sie blickte ihn an und in ihren Augen ließ sich wie in weiter Ferne ein Schimmer von Glück erkennen. Endlich, endlich war es nicht mehr nur die Traurigkeit, die dort zu sehen war. Skinner sah tief in ihre unglaublich blauen Augen, so blau und ebenso weit wie der Ozean, was er bisher stets vermieden hatte. Denn er wusste, würde er sich nur einmal darin verlieren, er würde ertrinken.
Scully sah in Skinners Augen, was sie schon lange wusste, aber nie wahrhaben wollte. Natürlich hatte sie es bemerkt, aber der eigene Verstand ist manchmal der beste Verschleierungskünstler. Sie merkte wie sein Gesicht dem ihren immer näher kam und noch bevor sie reagieren konnte spürte sie seinen Mund auf ihren Lippen.
Er hatte sich nicht mehr unter Kontrolle halten können und einfach getan wonach sein Herz schon so lange verlangte. Er hatte schon so oft davon geträumt, doch nie den Mut besessen es in die Tat umzusetzen, da er Angst vor ihrer Reaktion hatte. Doch die befürchtete Gegenwehr blieb aus. Skinner küsste Scully und sie ließ es geschehen. Ihre weichen Lippen fühlten sich wunderbar an. Alles in ihm wollte sie nie wieder loslassen, doch er ließ sie, wie etwas in ihm schrie, viel zu bald wieder frei.
"Ich liebe dich, Dana."
Sein Geständnis war keine Neuigkeit. Sie hatte es gewusst, doch es nun ausgesprochen zu hören traf sie wie ein Schlag.
"Sir..." Ein kurzer, bittender Blick von ihm ließ sie sich verbessern. "Walter. Ich... ich hab dich wirklich sehr gern, aber..."
"Aber du liebst Mulder immer noch." beendetet er ihren Satz.
Scully senkte den Kopf.
"Ja." ihre Stimme klang beinahe tonlos. "So lange ich lebe werde ich ihn lieben. Ich denke, ich werde nie wieder jemanden so sehr lieben können wie ihn."
"Dann weiß ich, was ich zu tun habe" sagte er mehr zu sich selbst und wandte seine Augen wieder dem Fernsehapparat zu.
Wie um ihm zu zeigen, das Scully trotz dieses Geständnisses nicht wollte, dass sich irgendetwas zwischen ihnen änderte, lehnte sie freundschaftlich ihren Kopf gegen seinen Oberkörper. Er verstand, legte einen Arm um ihre Schulter und drückte sie leicht an sich.
Sie kuschelte sich an ihn und schloss ihre müden Augen. In seinen Armen empfand sie eine Geborgenheit wie sie sie sonst nur bei Mulder gefunden hatte. Schon bald fiel sie in einen tiefen, erholsamen Schlaf.
Skinner schaltete den Fernseher aus. Liebevoll betrachtete er die Frau in seinen Armen. Ja, er liebte sie. Mehr als alles andere. Aber sie gehörte einem anderen, selbst noch über dessen tot hinaus. Vorsichtig legte er Scullys Kopf auf ein paar Kissen, die an einem Ende der Couch lagen. Mit der Wolldecke die sich am anderen Ende befand deckte er sie zu und hauchte ihr einen zarten Kuss auf die Schläfe.
"Gute Nacht, Dana." flüsterte er und ging.
In seinem Kopf war ein Gedanke herangereift, von dem er nun sicher war das es das Richtige sein würde. Er hätte alles getan nur für ein Lächeln von ihr, auch wenn es bedeutete sein eigenes Glück aufzugeben.
Zum ersten Mal seit sie ihn tot gefunden hatten träumte Scully nicht mehr von Mulder vor einem brennenden Himmel. Heute Nacht sah sie nicht wie sich sein Gesicht vor Schmerz verzehrte, hörte nicht seine Schreie, die sie noch gestern aus dem Schlaf gerissen hatten. Nein, heute erwachte sie nicht, am ganzen Körper zitternd und schweißnass zugleich. Heute sah sie Mulder lächeln, an einem hellen, farbigen Ort. Er hielt Samantha in seinen Armen.
In der folgenden Nacht holten Agent Doggett und Assistant Direktor Skinner Fox Mulders Leichnam aus seinem kalten Grab. Einer derer, die damals mit ihm entführt worden waren, war nachdem er bereits für tot erklärt worden war wieder da. Lebendig. Nun klammerten sie sich an die Hoffnung, auch Mulder könne noch am Leben sein.
Einige Tage später
Warme Luft strich sanft über ihre Haut und spielte mit den Haaren der beiden Geschwister. Auf den Wiesen um sie herum verbreitete die Sonne goldenen Glanz. Samantha sah ihren lange vermissten Bruder an. Tränen füllten ihre Augen, doch sie lächelte.
"Geh. Noch ist es nicht zu spät." Sie ließ seine Hand los, die sie in ihrer gehalten hatte.
"Mein Platz ist jetzt hier, doch deiner ist dort draußen. Eines Tages werden wir uns hier wiedersehen, aber noch ist es zu früh für dich. Geh zurück. Sie wartet auf dich."
Das junge Mädchen sah ihrem Bruder hinterher wie er die Wiese hinunter lief. An ihrem Ende wartete ein tiefer Abgrund auf ihn. Der Boden war hier auseinandergerissen und formte nun schon seit Ewigkeiten die große Schlucht. Kurz bevor der Boden unter ihm abfiel stoppte Mulder seine Schritte. Er warf einen prüfenden Blick in die schwarze Leere vor ihm. Dann schloss er die Lieder und konzentrierte sich auf einen Gedanken. Sie. Ruhig breitete er die Arme aus. Mit ihrem Bild vor Augen ließ er sich ganz langsam fallen. Getragen vom Wind stürzte er in die Tiefe bis eine schmale Hand nach der seinen fasste und ihn auffing.
Er sah es ihr schon an, als sie auf den Flur hinaustrat. Tränen glitzerten in ihren Augen, doch sie strahlten wieder mit dem alten Glanz. Scully entdeckte Skinner und kam mit einem etwas unsicheren Lächeln auf ihn zu.
"Er ist aufgewacht." sprach Skinner aus, was er zugleich gehofft und gefürchtet hatte. Ab heute würden die Dinge wieder etwas anders laufen.
"Ja." Scully nickte. "Kommst du damit klar?"
Skinner lächelte sie an.
"Er ist der Richtige. Er ist der, den du liebst und er liebt dich. Ich bin doch für dich nur so etwas wie dein Teddybär, den man lieb hat und mit ihm spielt solange man ihn braucht. Bis man etwas besseres findet und den Bär in die Ecke setzt."
Scully wollte etwas erwidern doch er fuhr schnell fort.
"Ich liebe dich und daran wird sich nichts ändern. Aber dein Herz hat immer nur Mulder gehört und dein Glück ist das Wichtigste für mich. Ich bin glücklich, wenn du es bist."
Scully umarmte ihn und küsste ihn wie zum Abschied ein letztes Mal. Er drückte sie an sich und etwas in ihm wollte zerbrechen als sie sich wieder von ihm löste.
"Du bleibst mein Lieblingsteddybär."
Sie schenkte ihm ein Lächeln bevor sie wieder zu Mulder hineinging und ihn allein zurückließ.
Autor: Rieke
Spoiler: Dead Alive
Rating: G-6
Kategorie: SSR, MSR, post-Epi
Wordcount: 2.985
Disclaimer: Alles nicht meins. Die Figuren sind Eigentum von Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions.
Short-Cut: In den Tagen nach Mulders Tod kommen sich Scully und Skinner näher...
N'oubliez jamais
Mulder ist tot.
xxx
"Ich kann das einfach nicht. Ich kann da noch nicht hin."
Dana Scully riss die Tür zum Büro von Assistend Director Skinner auf. Er war gerade auf dem Weg nach draußen gewesen und fand sich so unvermittelt der rothaarigen Frau gegenüber.
"Scully, beruhigen Sie sich erst mal. Was ist los?"
"Ich... ich kann noch nicht wieder arbeiten. Ich... ich bringe das einfach nicht fertig. Ich möchte Urlaub beantragen."
Es fiel ihr schwer das zuzugeben.
"Es verlangt doch auch keiner von Ihnen gleich jetzt wieder an die Arbeit zu gehen. Gehen Sie nach Hause. Ich habe Ihnen schon gestern gesagt, dass Sie sich ein paar Tage frei nehmen sollen." Mit gesengter Stimme sprach er weiter:
"Ich weiß, dass Mulder ihnen sehr viel bedeutet hat."
Scully sah zu ihrem Vorgesetzten auf. Sie wusste, er verstand sie, aber trotzdem hatte sie das Gefühl sich erklären zu müssen:
"Ich kann einfach nicht begreifen, dass er nicht mehr da sein soll. Wenn ich die Tür zum Büro öffne denke ich, jetzt sitzt er hinter seinem Schreibtisch und wartet auf mich. Aber er ist nicht da."
Sie sprach stockend und ihre Stimme wurde immer leiser.
"Wenn ich dann alleine dort unten sitze meine ich, dass jeden Moment die Tür aufgehen müsste und er hinein kommt. Aber wenn, dann ist es Agent Doggett und nicht er.
Der Raum wirkt plötzlich so kalt, er ist so leer und leblos ohne ihn."
Der Assistend Director sah die zierliche Person vor ihm mitfühlend an.
"Glauben Sie mir, ich weiß was Sie fühlen. Es kommt Ihnen vor wie das Ende. Sie haben das Gefühl, ohne ihn ist das ganze Leben sinnlos. Sie wollen sich irgendwo verkriechen, wo er niemals gewesen ist. An einem Ort ohne Erinnerung an ihn. Ich würde Ihnen gerne sagen, dass das bald vorbei ist, aber das wäre gelogen. Irgendwann werden Sie akzeptieren, dass er nicht mehr da ist und mit der Zeit tut es weniger weh. Aber aufhören wird es nie. Und das ist auch gut so. Wir müssen die Erinnerung an ihn wie einen kostbaren Schatz bewahren, denn so lebt er in uns weiter. In unserer Erinnerung."
Skinner merkte, dass Scully mit den Tränen kämpfte. Sie sah so unglaublich verloren aus. Bevor sie etwas sagen konnte, nahm er sie einfach in die Arme und hielt sie fest. Sie war dankbar dafür einen Freund zu haben bei dem sie sich anlehnen konnte. Die Tränen ließen sich jetzt nicht mehr aufhalten. Noch vor ein paar Wochen hätte sie sich nie erlaubt in Gegenwart anderer so etwas wie Schwäche zu zeigen, doch ihre Schwangerschaft und nicht zuletzt Mulders Tod hatten sie verändert. Lange stand sie einfach so da, gehalten von diesen tröstenden Armen und weinte.
Eine Woche später
Mit schnellem Schritt eilte Walter Skinner den Gang entlang. Gleich nachdem er das wichtigste erledigt hatte, war er hierher gefahren. Scullys Urlaub war vorbei, doch trotzdem war sie heute morgen nicht im Büro erschienen. Niemand hatte Nachricht von ihr und sie meldete sich den ganzen Vormittag nicht. Das passte nicht zu ihr. Durch seine innere Unruhe, die ihre Abwesenheit ausgelöst hatte, getrieben, hielt es ihn nicht länger in seinem Büro. Vor der Wohnungstür stoppte er. Natürlich würde er ihr ein paar Vorwürfe nicht ersparen können,
doch als er ihr dann gegenüber stand war alles vergessen. Sie sah furchtbar aus. Fahl und blass. Zwei müde Augen blickten ihn träge an. Aller Glanz schien daraus entwichen zu sein. Die dunklen Ringe darunter zeigten deutlich dass sie offenbar seit längerem nicht mehr geschlafen hatte. Sie sagte nichts, deutete ihm nur mit einer kurzen Bewegung des Kopfes an, dass er hereinkommen solle.
"Sie sind nicht im Büro gewesen", begann er. "Ich habe mir Sorgen gemacht."
"Sir. Ich... ich fühle mich nicht gut", erwiderte sie leise in entschuldigendem Ton. "Ich wollte anrufen, aber die Telefonleitung ist bei dem Sturm heute nacht beschädigt worden und darum geht mein Telefon heute nicht und dann ist auch noch der Akku vom Handy leer."
Skinner lächelte. Diese Entschuldigung musste heute reichen.
"Möchten Sie was trinken? erinnerte sich Scully an ihre Höflichkeit.
"Gern." Er nickte und folgte ihr in die Küche. Etwas an ihrem Gang war seltsam, er war irgendwie schleppender als sonst. Doch das Auffälligste im Moment war, dass sie immer langsamer wurde. Bis an ihr Ziel kam sie dann auch nicht mehr. Kurz vor der Küchentür brach sie zusammen. Skinner konnte sie gerade noch davon abhalten gegen den Türrahmen zu knallen. Er fing ihren Sturz ab und legte sie vorsichtig auf den Boden.
"Scully, können Sie mich hören?" Besorgt beugte er sich über sie.
Doch schon nach ein paar bangen Sekunden schlug sie die Augenlieder wieder auf.
"Ist alles okay?"
"Es geht schon wieder", wisperte sie.
"Sie sollten sich etwas hinsetzten." Er half ihr hoch und führte sie zur Couch. An ihrer Mühe aufzustehen merkte er wie schwach sie eigentlich war. Auch kam es ihm vor als hätte sie seit er sie das letzte Mal gesehen hatte, etwas abgenommen.
"Haben Sie heute überhaupt schon was gegessen? fragte er einer Ahnung folgend.
Sie schüttelte den Kopf. "Ich habe keinen Hunger."
"Scully, Sie müssen doch etwas essen. Sie als Ärztin sollten das doch viel besser wissen als ich. Denken Sie an ihr Baby. Sie dürfen nicht vergessen, dass Sie jetzt nicht mehr nur für sich allein verantwortlich sind. Werfen Sie so etwas kostbares nicht einfach weg."
"Ich kann nicht. Ich bringe einfach nichts herunter." Ihre Augen waren ein einziger Ausdruck von Kummer. Skinner lächelte sie an. "Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie ruhen sich hier auf der Couch aus und ich koche etwas für uns. Vorausgesetzt Sie erlauben es mir. Und dann werden wir ja sehen ob Sie wirklich nichts essen wollen."
Scully nickte matt und gestattete ihm ihre Küche zu benutzen. Sofort machte er sich an die Arbeit.
Schon nach kurzer Zeit erfüllte ein wohliger Essensduft das Appartement. Während Skinner in der Küche werkte, lag Scully auf der Couch und schaute ihm dabei, soweit es möglich war, durch die offen stehende Tür zu. Er schien zu wissen, was er tat. Sie war unendlich dankbar darüber, dass er sich so um sie kümmerte, denn sie musste wirklich etwas zu sich nehmen und der Geruch, der ihr nun in die Nase stieg, tat sein übriges dazu um sie ihren Hunger verspüren zu lassen.
"Wenn das auch noch so gut schmeckt, wie es riecht, dann schätze ich haben Sie gewonnen."
Der Angesprochene steckte seinen Kopf durch die Tür um Scully ein siegessicheres Lächeln zu schenken.
"Das will ich doch hoffen." Bemerkte er und verschwand wieder aus ihrem Blickfeld.
"Wo haben Sie so kochen gelernt?"
Scully war sichtlich überrascht. Sie saß noch immer auf der Couch einen dampfenden Teller vor sich, den Skinner ihr gebracht hatte. Schon nach wenigen bissen hatte sich ihr Hunger zur Gänze zurückgemeldet. Es schmeckte fantastisch.
"Ich hatte eine im Kochen sehr begabte Mutter. Sie hat mir schon als Kind sehr viel beigebracht." Er lächelte Scully über den Tellerrand hinweg an und aß weiter.
Die kleine Frau hielt inne und dachte daran, wie wenig sie im Grunde über den Mann der ihr gegenüber saß wusste. Er sprach nie über private Dinge und wenn dann nur sehr wenig. Doch das was sie mit Sicherheit über ihn wusste war, das er immer für sie da sein würde. Und das war mehr als genug.
"Danke", sagte sie plötzlich. "Danke für alles." Aus ihren Augen sprach ehrliche Dankbarkeit.
"Ist schon in Ordnung", erwiderte er abwertend. Doch Scully merkte, dass er nicht recht wusste, was er sagen sollte und ihm die Situation etwas unangenehm war. So schüttelte sie nur leicht den Kopf und führte die Gabel wieder zum Mund.
Von nun an kam er jeden Tag vorbei. Scully blieb auch weiterhin der Arbeit fern, doch für die nächsten Tage hatte sie sich von ihrem Arzt entschuldigen lassen. Skinner kam meist Abends zu ihr um sie abzuholen und irgendetwas zu unternehmen. "Du musst hier raus" hatte er gesagt. "Etwas anderes sehen als nur deine eigenen Wände". Sie waren zusammen ins Kino, Eis essen, worauf Scully an diesem Tag Heißhunger verspürt hatte, gegangen oder einfach nur Spazieren. Irgendwann waren sie zum Du übergegangen, ohne es recht zu bemerken. Beide hatten das Gefühl, dass das förmliche Sie nicht mehr angebracht war und so ließen sie es beim Du. Heute hatte er sie zu seinem Auto geführt und war einfach losgefahren, ohne ihr zu sagen wohin. Irgendwann, Scully hatte nicht die geringste Ahnung wo sie waren, hielt er an und bedeutete ihr auszusteigen. Sie mussten irgendwo fern der Stadt sein. Grüne Wiesen und große Bäume hatten die Straße gesäumt auf der sie hergekommen waren. Die Luft war klar und rein. Scully atmete tief durch. In der Nähe hörte sie es rauschen, wie von Wasser. Es war schon spät, doch noch erfüllte die Sonne den Tag mit ihrem letzten Licht. Der Himmel verfärbte sich langsam in gelb, orange und Rottönen.
"Komm mit, sonst verpassen wir es." Er nahm sie an die Hand und führte sie ein Stück weit fort. Jetzt konnte sie sehen, woher das Rauschen kam. Sie waren am Meer. Einen Sandstrand gab es hier nicht, große Felsen und grünes Gras bildeten das Ufer. Skinner hatte eine Decke mitgebracht, die er auf einem schmalen Grasstreifen zwischen zwei Felsen ausbreitete. Sie setzten sich und er deutete aufs Meer hinaus. Die Sonne ging unter.
"Nur hier hat man einen so schönen Blick auf den Sonnenuntergang" erklärte er.
"Es ist wunderschön." Scully lehnte sich an den Mann neben ihr. Er legte einen Arm um sie und schweigend sahen sie sich die verzaubernde Vorführung des Himmels an.
Scully ging es von Tag zu Tag besser. Auch kam sie wieder zur Arbeit. Eines Morgens war sie einfach wieder da gewesen. Agent Doggett brauchte sie und ihr wissen. Sie hatte entschieden, dass sie ihn nicht länger alleine lassen durfte. Skinners Besuche wurden dadurch seltener, da sie die Arbeit wieder ganz in Anspruch nahm. Er kam nur noch wenn sie sich vorher verabredet hatten.
Heute war wieder einer dieser Tage an denen er zu ihr kommen würde. Sie wollten sich einen gemütlichen Videoabend machen. Und diesmal hatte Scully vor etwas für ihn zu kochen. Doggett und sie hatten früh Feierabend gemacht, da es im Büro nichts mehr zu tun gab. Nun ertappte sich Scully dabei wie sie den ganzen Nachmittag nur darauf wartete, dass er vor der Tür stand. Es fiel ihr schwer sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Sie hatte sich an ihn gewöhnt und musste sich nun eingestehen, dass ihr seine Nähe fehlte. Er hatte es in den letzten Wochen geschafft sie von ihren trüben Gedanken an Mulder abzulenken, doch überwunden hatte sie dessen Tod noch lange nicht. Tagsüber ging es ganz gut und sie lebte ihr leben. Aber Nachts wenn sie wieder allein in ihrem Bett lag, waren die Bilder wieder da. Mulders toter Körper, wie sie ihn gefunden hatten. Gezeichnet durch die Pain, die man ihm angetan hatte. Unscharf durch ihren tränenverschleierten Blick, doch deutlich genug kehrte das Bild jede Nacht zurück. Lange Stunden lag sie wach, bis der Schlaf sie endlich zu sich ließ. Doch dann kamen die schweren Träume, die sie keine Ruhe finden ließen.
xxx
Nach dem Essen, saßen Scully und Skinner auf der Couch und sahen sich einen alten Videofilm an. Eine Weile schauten sie schweigend, doch dann stieß Scully plötzlich leise einen überraschten Laut aus. In ihr machte sich jemand bemerkbar. Das war nichts neues, aber normalerweise schlief das Baby um diese Zeit und sie hatte nicht mit einem solch heftigen Tritt gerechnet. Als sie Skinners besorgtes Gesicht sah nahm sie seine Hand und legte sie auf ihren inzwischen prallen Bauch. Jetzt konnte er es auch spüren, wie das Kind sich bewegte. Und zum ersten Mal seit langer Zeit lächelte Scully. Sie blickte ihn an und in ihren Augen ließ sich wie in weiter Ferne ein Schimmer von Glück erkennen. Endlich, endlich war es nicht mehr nur die Traurigkeit, die dort zu sehen war. Skinner sah tief in ihre unglaublich blauen Augen, so blau und ebenso weit wie der Ozean, was er bisher stets vermieden hatte. Denn er wusste, würde er sich nur einmal darin verlieren, er würde ertrinken.
Scully sah in Skinners Augen, was sie schon lange wusste, aber nie wahrhaben wollte. Natürlich hatte sie es bemerkt, aber der eigene Verstand ist manchmal der beste Verschleierungskünstler. Sie merkte wie sein Gesicht dem ihren immer näher kam und noch bevor sie reagieren konnte spürte sie seinen Mund auf ihren Lippen.
Er hatte sich nicht mehr unter Kontrolle halten können und einfach getan wonach sein Herz schon so lange verlangte. Er hatte schon so oft davon geträumt, doch nie den Mut besessen es in die Tat umzusetzen, da er Angst vor ihrer Reaktion hatte. Doch die befürchtete Gegenwehr blieb aus. Skinner küsste Scully und sie ließ es geschehen. Ihre weichen Lippen fühlten sich wunderbar an. Alles in ihm wollte sie nie wieder loslassen, doch er ließ sie, wie etwas in ihm schrie, viel zu bald wieder frei.
"Ich liebe dich, Dana."
Sein Geständnis war keine Neuigkeit. Sie hatte es gewusst, doch es nun ausgesprochen zu hören traf sie wie ein Schlag.
"Sir..." Ein kurzer, bittender Blick von ihm ließ sie sich verbessern. "Walter. Ich... ich hab dich wirklich sehr gern, aber..."
"Aber du liebst Mulder immer noch." beendetet er ihren Satz.
Scully senkte den Kopf.
"Ja." ihre Stimme klang beinahe tonlos. "So lange ich lebe werde ich ihn lieben. Ich denke, ich werde nie wieder jemanden so sehr lieben können wie ihn."
"Dann weiß ich, was ich zu tun habe" sagte er mehr zu sich selbst und wandte seine Augen wieder dem Fernsehapparat zu.
Wie um ihm zu zeigen, das Scully trotz dieses Geständnisses nicht wollte, dass sich irgendetwas zwischen ihnen änderte, lehnte sie freundschaftlich ihren Kopf gegen seinen Oberkörper. Er verstand, legte einen Arm um ihre Schulter und drückte sie leicht an sich.
Sie kuschelte sich an ihn und schloss ihre müden Augen. In seinen Armen empfand sie eine Geborgenheit wie sie sie sonst nur bei Mulder gefunden hatte. Schon bald fiel sie in einen tiefen, erholsamen Schlaf.
Skinner schaltete den Fernseher aus. Liebevoll betrachtete er die Frau in seinen Armen. Ja, er liebte sie. Mehr als alles andere. Aber sie gehörte einem anderen, selbst noch über dessen tot hinaus. Vorsichtig legte er Scullys Kopf auf ein paar Kissen, die an einem Ende der Couch lagen. Mit der Wolldecke die sich am anderen Ende befand deckte er sie zu und hauchte ihr einen zarten Kuss auf die Schläfe.
"Gute Nacht, Dana." flüsterte er und ging.
In seinem Kopf war ein Gedanke herangereift, von dem er nun sicher war das es das Richtige sein würde. Er hätte alles getan nur für ein Lächeln von ihr, auch wenn es bedeutete sein eigenes Glück aufzugeben.
xxx
Zum ersten Mal seit sie ihn tot gefunden hatten träumte Scully nicht mehr von Mulder vor einem brennenden Himmel. Heute Nacht sah sie nicht wie sich sein Gesicht vor Schmerz verzehrte, hörte nicht seine Schreie, die sie noch gestern aus dem Schlaf gerissen hatten. Nein, heute erwachte sie nicht, am ganzen Körper zitternd und schweißnass zugleich. Heute sah sie Mulder lächeln, an einem hellen, farbigen Ort. Er hielt Samantha in seinen Armen.
xxx
In der folgenden Nacht holten Agent Doggett und Assistant Direktor Skinner Fox Mulders Leichnam aus seinem kalten Grab. Einer derer, die damals mit ihm entführt worden waren, war nachdem er bereits für tot erklärt worden war wieder da. Lebendig. Nun klammerten sie sich an die Hoffnung, auch Mulder könne noch am Leben sein.
Einige Tage später
xxx
Warme Luft strich sanft über ihre Haut und spielte mit den Haaren der beiden Geschwister. Auf den Wiesen um sie herum verbreitete die Sonne goldenen Glanz. Samantha sah ihren lange vermissten Bruder an. Tränen füllten ihre Augen, doch sie lächelte.
"Geh. Noch ist es nicht zu spät." Sie ließ seine Hand los, die sie in ihrer gehalten hatte.
"Mein Platz ist jetzt hier, doch deiner ist dort draußen. Eines Tages werden wir uns hier wiedersehen, aber noch ist es zu früh für dich. Geh zurück. Sie wartet auf dich."
Das junge Mädchen sah ihrem Bruder hinterher wie er die Wiese hinunter lief. An ihrem Ende wartete ein tiefer Abgrund auf ihn. Der Boden war hier auseinandergerissen und formte nun schon seit Ewigkeiten die große Schlucht. Kurz bevor der Boden unter ihm abfiel stoppte Mulder seine Schritte. Er warf einen prüfenden Blick in die schwarze Leere vor ihm. Dann schloss er die Lieder und konzentrierte sich auf einen Gedanken. Sie. Ruhig breitete er die Arme aus. Mit ihrem Bild vor Augen ließ er sich ganz langsam fallen. Getragen vom Wind stürzte er in die Tiefe bis eine schmale Hand nach der seinen fasste und ihn auffing.
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Er sah es ihr schon an, als sie auf den Flur hinaustrat. Tränen glitzerten in ihren Augen, doch sie strahlten wieder mit dem alten Glanz. Scully entdeckte Skinner und kam mit einem etwas unsicheren Lächeln auf ihn zu.
"Er ist aufgewacht." sprach Skinner aus, was er zugleich gehofft und gefürchtet hatte. Ab heute würden die Dinge wieder etwas anders laufen.
"Ja." Scully nickte. "Kommst du damit klar?"
Skinner lächelte sie an.
"Er ist der Richtige. Er ist der, den du liebst und er liebt dich. Ich bin doch für dich nur so etwas wie dein Teddybär, den man lieb hat und mit ihm spielt solange man ihn braucht. Bis man etwas besseres findet und den Bär in die Ecke setzt."
Scully wollte etwas erwidern doch er fuhr schnell fort.
"Ich liebe dich und daran wird sich nichts ändern. Aber dein Herz hat immer nur Mulder gehört und dein Glück ist das Wichtigste für mich. Ich bin glücklich, wenn du es bist."
Scully umarmte ihn und küsste ihn wie zum Abschied ein letztes Mal. Er drückte sie an sich und etwas in ihm wollte zerbrechen als sie sich wieder von ihm löste.
"Du bleibst mein Lieblingsteddybär."
Sie schenkte ihm ein Lächeln bevor sie wieder zu Mulder hineinging und ihn allein zurückließ.
Ende
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