13 November 2006 @ 01:30 pm
Schatten über heißem Staub (2/5)  
Titel: Schatten über heißem Staub (2/5)
Autor: Rieke
Beta: Cat
Spoiler: none
Rating: PG 13
Kategorie: Western, AU, MSR, minor Character Death
Wordcount: 2.350/13.709
Disclaimer: Dana Scully, Fox Mulder, Walter Skinner, Melissa Scully, John Doggett, Monica Reyes, Diana Fowley, Alex Krycek und alle anderen Figuren aus der Serie, die ich noch vergessen habe, gehören nicht mir, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Aber Lizzy und die Pferde sind meine! Die Stadt Mainor ist frei erfunden.
Short-Cut: Eine kleine Zeitreise in den Wilden Westen

Chapter 1




>-> 2 <-<


Das Fenster stand weit offen, damit die frische Vormittagsbrise von draußen die stickige Luft in Danas Zimmer vertreiben konnte. Von ihrem Platz auf dem Bett starrte sie hinaus auf die Straße. Wie immer floss der Strom Menschen zäh an ihr vorüber. Plötzlich sammelte sich Danas Aufmerksamkeit vor dem Bankgebäude schräg gegenüber von ihrem Fenster. Eine schwarzhaarige, mittelgroße Frau saß wartend auf der Bank vor dem Haus. Diana Fowley. Fox' Freundin. Sie kam nur alle paar Wochen hier vorbei, um Fox zu besuchen. Dana hatte sie das letzte Mal vor drei Wochen hier gesehen, doch sie erkannte sie sofort wieder. Diana gehörte zu der Sorte Frau, die Dana am wenigsten ausstehen konnte. Möchtegern-Frau-von-Welt nannte sie diesen Typ. Die Tür neben Diana wurde geöffnet und Fox kam heraus. Dana sah mit einem aufkommenden Gefühl von Abscheu in der Magengegend zu, wie Diana aufstand, Fox umarmte und ihn auf offener Straße küsste. Ekelhaft! Wie Diana es geschafft hatte, sich ausgerechnet Fox zu angeln, entzog sich gänzlich Danas Verstand. Die beiden verließen den Vorplatz der Bank und zogen Hand in Hand in die Richtung ab, in der Fox wohnte. Danas verhärteter Miene entrang sich ein kleines Lächeln, als sie die Art der beiden zu gehen, miteinander verglich. Fox schlenderte in lässiger Haltung neben Diana her, während diese aufreizend die Röcke schwingen ließ. Danas Lächeln verzog sich zu einer spöttischen Grimasse. Was fanden Männer bloß daran, wenn Frauen beim gehen mit dem Hintern wackeln. Dana sah den beiden nach, bis sie um die nächste Straßenecke bogen und damit aus ihrem Blickfeld verschwanden.

>->*<-<


Die Räder des alten Einspänners rollten über den holprigen Weg nach Mainor. Leise ein Lied vor sich hersummend saß Dana, die Zügel in der Hand, auf dem Kutschbock. Sie ließ die gutmütige alte Mähre vor ihr in einen gemächlichen Trab fallen. Pie war Maggies Pferd. Sie war schon sehr alt und zum Reiten nicht zu gebrauchen, aber die kleine Kutsche zog sie immer noch munter hinter sich her. Maggie hatte Dana in die Stadt geschickt, um dort ein paar Dinge zu besorgen, die man in ihrem Dorf nicht bekommen konnte. Das Mädchen ließ Pie wieder langsamer werden, denn Mainor war erreicht. Vor einem kleinen Gemischtwarenladen brachte sie die Kutsche zum stehen, stieg aus, band Pie an einen dafür vorgesehenen Holzbalken und öffnete die Tür zum Laden. Die Glocke über der Tür bimmelte fröhlich, als Dana eintrat. Der Besitzer, ein kleiner rundlicher aber stets freundlicher Mann, drehte sich zu ihr um. Er war gerade damit beschäftigt, ein Stück Papier an der Wand zu befestigen. Vermutlich handelte es sich um irgendeine mehr oder weniger wichtige Mitteilung.
"Oh, hallo Dana. Ich komme gleich zu dir. Lass mich das hier nur schnell fertig machen."
"Ich hab‘s nicht eilig. Ist das etwas Interessantes?"
Da der Kaufmann das Papier mit seinem Körper verdeckte, konnte Dana nicht sehen, was darauf stand.
"Ist wieder jemand aus dem Gefängnis abgehauen", erklärte er. "So, fertig."
Er ging hinter die Ladentheke, um seine Kundin zu bedienen. Die aber blieb wie angewurzelt stehen, als sie sah, wer auf dem Papier abgebildet war. Es war ein Steckbrief. Gesucht wurde nach einem entflohenen Sträfling namens Alex Krycek, auf den eine hohe Belohnung ausgesetzt war. In der Mitte des Papiers war groß das Gesicht des Mannes abgebildet. Dana konnte nicht anders, als es anzustarren. Sie kannte diesen Mann. Kannte sein Gesicht. Nie in ihrem Leben würde sie dieses Gesicht vergessen können.
"Ist alles in Ordnung?"
Der Krämer holte Dana wieder in die Wirklichkeit zurück. Er schien ein wenig besorgt.
"Ja, ja alles okay."
Sie löste sich von dem Papier und verlangte nach den Dingen, die sie besorgen sollte. Doch war sie nicht mehr richtig bei der Sache. Als sie den Laden mit ihren Einkäufen verließ, schien sie die zwei Personen, die eintraten und sie freundlich grüßten, nicht einmal zu bemerken. Wie in Trance band sie Pie los, um sich auf den Rückweg zu machen. Solange die Fahrt dauerte, konnte sie an nichts anderes mehr denken, als an das Bild des Mannes auf dem Steckbrief.

Mit automatisierten Handgriffen brachte Dana Pie vor dem Hintereingang des Saloons zum stehen. Das junge Mädchen war ungewöhnlich blaß. Sie griff nach ihren Einkäufen um sie ins Haus zu bringen. Eigenartig weggetreten, mit starr geradeaus gerichtetem Blick, lief sie an Maggie und Mr. Skinner, die neben der Tür standen, vorbei. Dana schien sie überhaupt nicht wahrzunehmen. Auch dass die Zwei bei ihrer Ankunft abrupt ihr Gespräch beendet hatten, hatte sie nicht registriert. Verwirrt sahen die beiden dem Mädchen hinterher als sie ins Haus verschwand. Dana räumte die mitgebrachten Sachen an ihren Platz und ging wieder hinaus um Pie zu versorgen. Wieder lief sie an ihrer Ziehmutter und dem Sheriff, die immer noch an der selben Stelle verweilten wie zuvor, vorbei, als wären sie gar nicht da.

Erst als sie allein in ihrem Zimmer saß, kam sie wieder zu sich. Sie schüttelte heftig den Kopf, als wolle sie so die schlechten Gedanken vertreiben. Heute war eindeutig nicht ihr Tag. Der einzige Mensch, vor dem sie Angst hatte, Angst haben musste, brach auch dem Gefängnis aus und dann kam auch noch Diana wieder, was bedeutete, dass Fox sie selbst links liegen lassen würde. Es war immer so gewesen, warum sollte es also dieses Mal anders sein? Was hatte Diana bloß, was sie nicht hatte? Dana stand auf, stellte sich vor den Spiegel und betrachtete ihre schlanke, zierliche Gestalt. Sie war nicht gerade groß gewachsen, im Gegenteil fand sie sich selbst oft zu klein. Sie war dünn, doch an den richtigen Stellen wohl proportioniert, wie Maggie es ausdrückte. Eingehend musterte sie ihr ein wenig längliches Gesicht. Die geschwungenen Augenbrauen, die großen, blauen Augen von dichten langen Wimpern umrahmt, die leicht nach unten gebogene Nase, die vollen Lippen. Das volle rote Haar, dass sich bei Nässe kräuselte, fiel ihr den Rücken hinunter. Keine Frage, sie war sehr hübsch, doch Dana selbst war alles andere als von ihrer Schönheit überzeugt. Sie wusste, dass es an ihrer Art sich zu geben lag, dass die Männer, die sie kannte, sie eher als Kumpel sahen und nicht die Frau in ihr. Aber manchmal fragte sie sich, ob das wirklich der einzige Grund war.

>->*<-<


Lauter werdendes Hufgeklapper kündigte Dana einen heimkehrenden Reiter an. Ein paar Sekunden später öffnete sich auch schon die Tür und jemand führte fröhlich pfeifend ein Pferd die Stallgasse entlang. Der Stall des Sheriffs beherbergte nicht nur seine eigenen Pferde, sondern bot noch einigen weiteren Pferden Unterstand. So war auch der Vollblüter, der Fox gehörte, hier untergebracht, der gerade hereingekommen war. Trusty war ein zuweilen eigenwilliger, doch wenn es darauf ankam stets verlässlicher Fuchs, dessen Fell es beinahe mit Danas flammender Haarfarbe aufnehmen konnte. Ihre Strafe abbüßend stand sie in einer der hinteren Boxen und striegelte Rainbow, eine kleine Schimmelstute, die dem Sheriff gehörte. Fox brachte sein Pferd in dessen Box und ging dann dort hin, wo er Dana entdeckt hatte.
"Hi Dana! Was hast du wieder ausgefressen?"
"Hallo Fox. Hat sich das nicht schon herumgesprochen?"
"Doch, doch."
"Dann brauche ich es dir doch nicht zu erzählen."
"Sicher. Sag mal, wo du gerade dabei bist, würdest du bitte auch Trusty versorgen."
"Du hast es wohl ganz eilig."
"Du hast doch sicher schon mitbekommen, dass Diana wieder da ist."
"Richtig. Diana ist wieder da und schon vernachlässigst du dein Pferd."
"Immerhin war sie drei Wochen weg. Die müssen wir jetzt nachholen."
"Von mir aus hätte sie überhaupt nicht mehr wiederkommen brauchen. Was findest du bloß an ihr? Dass du ihr so verfallen bist, ist mir absolut unerklärlich."
"Verfallen. Du hast vielleicht eine Sprache an dir."
"Ist doch so. Ich werde die männliche Denkweise und besonders deine nie verstehen."
"Betrachte es als eines der großen Mysterien des Lebens."
"Mysterium? Nein, du leidest an extremer Geschmacksverirrung, weiter nichts."
"Was hast du nur gegen Diana?" Fox schüttelte den Kopf.
"Ich kann sie nun mal nicht leiden. Außerdem mag sie mich auch nicht."
Dana tauchte unter dem Bauch des Pferdes hindurch, um das Fell auf der anderen Seite zu striegeln. So konnte sie sich Fox' Blicken entziehen.
"Das mag ja sein, aber sie mag dich bloß nicht, du hasst sie. Warum?"
Er ging näher an Rainbow heran und schaute Dana über deren Rücken hinweg an. Wieso verdammt war Rainbow so klein und dieser Mann so groß.
"Na schön, du gibst ja doch nicht auf. Erstens hält sie sich selbst für unwiderstehlich, dabei ist sie absolut hässlich. Entweder sind die Männer, die bei ihr offenbar Schlange stehen, blind oder sie achten nur auf gewisse Teile von ihr, bei der Oberweite. Zweitens schmiert sie sich immer zu viel Schminke ins Gesicht, weil sie denkt, das macht sie schöner, aber es nützt überhaupt nichts. Drittens gibt sie damit an, wie reich sie ist. Jedem, der es hören will oder auch nicht, erzählt sie wie wertvoll ihr Schmuck ist, wie groß ihr Besitz ist oder wie viele Kutschen sie hat. Viertens hält sie sich für ach so gebildet, dabei kann sie nicht mal einen Hengst von einer Stute unterscheiden. Fünftens ist sie unerträglich arrogant und wenn du mich fragst, trägt sie die Nase ein Stück zu weit oben." Dana ging um die Stute herum wieder auf die Seite, wo Fox stand, blieb vor ihm stehen und sah ihm direkt in die Augen. "Soll ich noch weitermachen?"
"Nein danke, das reicht mir fürs erste. Aber ich glaube, du hast das Wichtigste vergessen."
"Dass sie sich benimmt, als wäre sie die Königin von England?"
"Nein." In seinen Augen blitzte es.
"Was dann?"
"Dass du eifersüchtig auf sie bist." Er grinste, wobei er eine Reihe blendend weißer Zähne zeigte.
"Eifersüchtig? Ich? Wieso sollte ich das sein?"
"Zum Beispiel weil sie mit mir zusammen ist."
"Du glaubst, ich bin wegen dir eifersüchtig auf sie? Bilde dir das bloß nicht ein. So unwiderstehlich bist du auch nicht."
"Ich bilde mir gar nichts ein." Er ließ sie einfach stehen und ging die Stallgasse entlang zurück nach draußen.
Dana sah ihm nach, bis er durch die Türe verschwand. Missmutig wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu.
"Ich und eifersüchtig, dass ich nicht lache."
Rainbow drehte ihren Kopf zu Dana und stupste sie mit der Nase an.
"Natürlich bin ich eifersüchtig", gestand sie leise dem Tier.

Lethargisch stierte Dana in das leere Glas vor ihr. Nachdem sie ihre Arbeit im Stall erledigt und sich gewaschen hatte, war sie, wie sie es gewöhnlich tat, in den Saloon gekommen. Maggie hatte darauf bestanden, dass Dana so lange sie Stalldienst hatte, nicht in der Küche zu helfen brauchte. Normalerweise setzte sie sich dann an den Tresen und plauderte fröhlich mit ihrer Freundin Lizzy, die hier den Whiskey ausschenkte. Heute saß sie stumm da. Völlig geistesabwesend nahm sie ihre Umwelt überhaupt nicht mehr wahr. So auch nicht John Doggett, der vier leere Stühle entfernt von ihr am Tresen saß und immer wieder zu ihr hinüber sah. Der Saloon war, wie an jedem Abend, gut besucht. Vor allem von Cowboys, die ihren Durst stillen wollten. Sie saßen gutgelaunt an den viereckigen Holztischen, spielten Karten, tranken und lachten. Am Tresen hatten nur Dana und John Platz genommen. Er winkte Lizzy zu sich, da sein Glas nur noch Luft enthielt.
"Bringen Sie mir noch so einen." Er deutete auf sein Glas. "Und bringen Sie der Lady was immer sie will." Er machte eine Kopfbewegung in Danas Richtung, die nicht reagierte.
Lizzy nickte, stellte ihm ein gefülltes Whiskeyglas hin und ging das kurze Stück hinter dem Tresen entlang, bis sie Dana gegenüberstand.
"Der meint dich, Dana." Sie tauschte Danas leeres Glas gegen ein gefülltes aus. Lizzy brauchte nicht nach dem Inhalt zu fragen, sie kannte den Geschmack ihrer Freundin. Diese erwachte nun aus ihrer Lethargie. Verwundert drehte sie den Kopf zu John.
"Sind Sie sicher, dass sie mich meinen?"
"Absolut, schöne Lady."
Dana ließ ein spöttisches Lachen hören.
"Tut mir leid, aber dann bin ich doch die Falsche. Ich bin vielleicht so einiges aber eine Lady nun wirklich nicht."
"Für mich schon." Er nahm sein Glas, stand auf und setzte sich auf den Barhocker direkt neben ihr. "Sie heißen Dana, richtig?"
"Und Sie sind der Typ, der seit ein paar Tagen überall mit Fox aufkreuzt. John, nicht?"
"Ich sehe, Sie wissen Bescheid."
Er nahm sein Glas und prostete ihr zu. Es ihm nachtuend, nippte sie kurz an ihrem Getränk. John begann Dana zu erzählen, wie er hergekommen war und wie gut es ihm hier gefiel. Er berichtete ihr auch, dass Fox ihm von einem Fest in Mainor, das morgen stattfinden würde, erzählt hätte. Und das er sich überlege, selbst dorthin zu gehen.
"Wollen Sie mich nicht dorthin begleiten?"
"Soll das ein Witz sein?" Im ersten Moment glaubte Dana, sich verhört zu haben.
"Nein, das ist mein voller Ernst. Ich möchte mit Ihnen zu diesem Fest gehen."
Dana runzelte die Stirn.
"Sind Sie betrunken?"
Er schaute auf sein zu einem drittel geleertes Whiskeyglas.
"So betrunken, wie man von einem Glas Whiskey sein kann. Ich meine es ernst Dana, bitte begleiten Sie mich zu dem Fest."
Mit einem tiefen Seufzen sah sie Lizzy an.
"Der Kerl hat sie nicht mehr alle."
Danas abschweifender Blick traf auf ein Pärchen, das sich in eine Ecke des Saloons zurückgezogen hatte. Sie erkannte Fox, der an Dianas Hals saugte. Angewidert von diesem in ihr Unbehagen auslösenden Anblick, wendete sie ihre Augen wieder ab. John hatte immer noch nicht aufgegeben und redete weiter auf Dana ein.
"Wissen Sie überhaupt, worauf Sie sich da einlassen? Haben Sie sich das auch gut überlegt?", wollte Dana nun wissen.
"Dana, ich bitte Sie doch nicht meine Frau zu werden, ich will lediglich mit Ihnen ausgehen."
Sie sah noch einmal zu dem Pärchen in der Ecke, dann wieder zu John.
"Okay, ich nehme an. Ich werde Sie nach Mainor begleiten. Und sagen Sie jetzt nicht, sie hätten es sich anders überlegt."
Lizzy starrte ihre Freundin mit vor Erstaunen geweiteten Augen an. Nie im Leben hätte sie gedacht, dass Dana die Einladung annehmen würde.
"Es würde mir im Traum nicht einfallen, ihre Begleitung abzulehnen. Ich freue mich schon jetzt auf morgen Abend."
"Dann sind wir uns ja einig." Dana hob ihr Glas an die Lippen und nahm einen großen Schluck. Ein diebisches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

TBC