13 November 2006 @ 02:50 pm
Schatten über heißem Staub (3/5)  
Titel: Schatten über heißem Staub (3/5)
Autor: Rieke
Beta: Cat
Spoiler: none
Rating: PG 13
Kategorie: Western, AU, MSR, minor Character Death
Wordcount: 2.061/13.709
Disclaimer: Dana Scully, Fox Mulder, Walter Skinner, Melissa Scully, John Doggett, Monica Reyes, Diana Fowley, Alex Krycek und alle anderen Figuren aus der Serie, die ich noch vergessen habe, gehören nicht mir, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Aber Lizzy und die Pferde sind meine! Die Stadt Mainor ist frei erfunden.
Short-Cut: Eine kleine Zeitreise in den Wilden Westen

Chapter 2
Chapter 1




>-> 3 <-<


"Du kannst dich schon mal von Trusty verabschieden. Er gehört so gut wie mir."
Fox steckte seinen Kopf aus der Box und blickte den auf ihn zukommenden John an.
"Du machst Witze."
"Nicht die Spur. Ich habe ein Date mit Dana." Ein breites Grinsen zog sich über Johns Gesicht.
"Gib‘s zu, du willst mich zum Narren halten." Fox konnte nicht fassen, was er da hörte.
"Ob du es glaubst oder nicht, ich werde mit ihr ausgehen. Zu dem Fest, von dem du mir erzählt hast."
"Weiß Dana das auch?"
"Ja. Ich habe sie gestern abend gefragt."
"Und sie hat allen Ernstes ja gesagt?" Etwas in seinem Kopf wehrte sich mit aller Kraft dagegen, Johns Worte zu glauben.
"Wenn ich es dir doch sage."
"Okay, du hast eine Verabredung mit ihr, aber das heißt noch lange nicht, dass du Trusty schon sicher hast. Das sagt noch gar nichts."
"Ich finde, das sagt schon ziemlich viel. Du hast doch selbst gesagt, dass sie nie ausgeht. Außer mir hat das also noch keiner geschafft."
"Das ist wohl wahr. Und du bist sicher, dass du mit Dana gesprochen hast?"
"Du kannst dich ja heute Abend selbst davon überzeugen."
"Das werde ich. Diana und ich wollen auch dort hingehen."
“Schön, ich habe da nur ein Problem."
"Womit?"
"Na ja, ich sagte ihr, ich würde sie abholen, ich habe aber keine Ahnung, wie wir nach Mainor kommen sollen. Reiten wäre unpassend, aber meine Kutsche befindet sich ungefähr 89 Meilen weit weg von hier."
"Verstehe. Ihr könnt mit uns fahren. Wir haben noch zwei freie Plätze in der Kutsche und Diana hat sicher nichts dagegen, wenn wir euch mitnehmen. Ich sage dir dann noch Bescheid wann wir los wollen."
"Danke Fox, du bist ein echter Freund."
Und schon war er wieder auf dem Weg nach draußen. Fox sah ihm mit einem Seufzen hinterher und machte sich dann wieder daran Trusty zu satteln.

>->*<-<


"Wie sehe ich aus?"
Am Fuß der Treppe blieb die schwarzhaarige Frau stehen und schaute nach oben, von wo die Stimme gekommen war.
"Dana?"
Verblüfft starrte Maggie das Mädchen an. Dana hatte Hemd und Hose gegen ein Kleid ausgetauscht. Noch nie hatte Maggie sie in einem Kleid gesehen. Sie hatte nicht einmal gewußt, dass sie eines besaß.
"Habe ich Halluzinationen, oder trägst du tatsächlich ein Kleid?"
"Keine Halluzination." Sie grinste. "Nun sag schon, wie sehe ich aus?"
"Anders als sonst."
"Gut oder nicht gut?"
Maggie musterte Dana von oben bis unten. Der dunkelgrüne Stoff des Kleides ließ die tizianrote Farbe ihrer Haare noch intensiver erscheinen als sonst. Der körperbetonte Schnitt des Kleides brachte auf vortreffliche Weise Danas Vorzüge zur Geltung. Nach kurzem Überlegen kam Maggie zu dem Schluß:
"Sehr gut. Was ist denn der Anlass?"
"Ich gehe aus."
"Wie bitte? Langsam glaube ich aber wirklich, ich träume."
"Du träumst nicht und du hast ganz richtig gehört. Ich werde zu dem Fest in Mainor gehen. Mit John Doggett." Den letzten Satz nuschelte Dana sich so zurecht, dass Maggie den Namen nicht verstand, aber diese gab sich damit nicht zufrieden.
"Mit wem?"
"John Doggett." Wiederholte sie diesmal deutlicher.
"Wie kommt er zu dieser Ehre?" Der spitze Unterton in Maggies Frage blieb Dana nicht verborgen. Sie hatte aber so gar keine Lust, ihr das zu erklären.
"Soll das ein Verhör werden?"
"Na schön, du wirst schon wissen, was du tust, du bist alt genug. Komm mal runter und lass dich von Nahem anschauen."
Dana stieg die Treppe hinunter, blieb vor Maggie stehen und drehte sich, ihrer Aufforderung nachkommend, einmal um sich selbst. Maggie kratzte sich nachdenklich am Kinn.
"Deine Haare. Die kannst du so nicht lassen."
"Warum nicht? Ich habe sie doch sonst auch offen, wenn ich nicht arbeite."
"Eben. Wie viel Zeit hast du noch?"
"Ich werde erst in zwei Stunden abgeholt. Ich wollte eben nur probieren, ob das Kleid noch passt."
"Gut, das reicht. Komm mit."
Maggie nahm Dana an der Hand und zog sie die Treppe wieder hinauf.

Mit geschlossenen Augen saß Dana auf einem Stuhl vor dem großen Spiegel, der in ihrem Zimmer an der Wand hing. Sie traute sich nicht, die Augen zu öffnen bevor Maggie, die hinter ihr Position bezogen hatte, und mit einer Unmenge von Haarnadeln Danas Mähne zu bändigen versuchte, fertig war.
"Au!" Maggie war etwas unvorsichtig mit der nächsten Haarnadel.
"Entschuldige."
"Ich verstehe wirklich nicht, warum manche das jeden Morgen mit ihren Haaren machen, selbst wenn sie nur zwei Minuten vor die Tür gehen."
"Mach die Augen auf, dann wirst du es wissen."
Vorsichtig blickte Dana in den Spiegel.
"Bin das wirklich ich?" Ihr Anblick war ihr völlig fremd. Ihre Haare türmten sich kunstvoll zu einer raffinierten Hochsteckfrisur. Maggie hatte ganze Arbeit geleistet.
"Gefällst du dir? Ich finde es steht dir gut."
"Findest du?" Sie betrachtete sich eingehender. "Ja, ja ich denke, es gefällt mir."
"So, dann lass mal sehen, was noch fehlt." Prüfend betrachtete Maggie das Mädchen.
"Was denn noch?"
"Bleib hier sitzen, ich bin gleich wieder da."
Dana sah Maggie seufzend hinterher. Was hatte sie nun wieder vor? Nach ein paar Minuten kehrte Maggie zurück, einige Schminkutensilien in der Hand.
"Nein!" Dana deutete auf die Sachen, die Maggie mitgebracht hatte. "Das ist nicht dein Ernst."
"Dana, das ist doch nur ein bisschen Schminke."
"Ich werde mich damit nicht anmalen."
"Gut, dann werde ich es eben tun. Ich bin darin sowieso geübter als du."
"Maggie!"
"Komm schon, es tut auch gar nicht weh."
"Muss das denn wirklich sein?"
"Ja, das muss sein. Dreh dein Gesicht zu mir und schließ die Augen."
Mit einem letzten Stoßseufzer gehorchte Dana und fügte sich Maggies Anweisungen.

"Kleine, du siehst umwerfend aus." Maggie begutachtete das Mädchen aus allen Richtungen. "Perfekt!"
Sie war mit ihrem gesamtem Werk rundum zufrieden, was sie zurecht sein durfte. Dana war kaum wieder zu erkennen. Sie sah traumhaft aus. Und auch Dana fand sich recht ansehnlich. Sie lächelte in den Spiegel. Ja, dieses Wesen, dass da zurück lächelte, gefiel ihr.
"Wirst du hier oben sein, wenn sie kommen um dich abzuholen?"
"Ja, wieso? Ist das wichtig?" Dana sah Maggie etwas verwirrt an.
"Nun, wenn du hier bist und er unten auf dich wartet, wird er dich, so wie du aussiehst, anstarren, wenn du die Treppe hinunter kommst."
"Ja und?" Dana hob eine Augenbraue an. Ihr war nicht ganz klar, was Maggie ihr damit sagen wollte.
"Nun, wenn du den Eindruck, den er von dir haben wird, wenn er dich sieht bewahren willst, solltest du auch die Treppe einkalkulieren. Wir spielen das jetzt einfach einmal durch, ich warte unten und du kommst von hier oben auf mich zu."
Bevor Dana widersprechen konnte, stand Maggie schon am Fuß der Treppe und wartete. Das Mädchen blickte nach unten. Na schön, würde sie eben mitspielen. Sie begann die Treppe hinab zu steigen.
"Nicht wie ein Trampel, geh wie eine Dame." Die Stimme von unten duldete keinen Einwand.
Dana verdrehte die Augen, ging aber noch einmal zurück und begann von neuem, die Treppe hinunter zu gehen.
"Nein." Maggie stoppte sie schon nach wenigen Stufen. "Eine Dame schreitet elegant und leichtfüßig, als würde sie kaum den Boden berühren. Als würde sie schweben."
"Schweben?"
"Schweben! Versuchs nochmal."
Also schwebte Dana. Sie kam sich unglaublich dämlich vor. Maggie legte die Stirn in Falten, bevor sie Dana erneut anhielt.
"Ich glaube, du brauchst etwas Anschauungsunterricht." Maggie seufzte lächelnd. "Komm runter."
"Wozu überhaupt das ganze Theater?" Dana war hörbar genervt.
"Möchtest du ihn nun mit deinem Auftreten beeindrucken oder nicht?"
"Wen?"
"Ich denke, das weißt du selbst am besten, und jetzt komm."
Die beiden Frauen tauschten die Plätze.
"Schau her. Und", sie zwinkerte, "stell dir vor, du bist ein Mann."
In vollendeter Eleganz schwebte Maggie die Treppe hinunter auf Dana zu.
"Verstehst du jetzt was ich meine?"
Dana nickte.
"Versuch es!"

Pünktlich zur verabredeten Zeit klopfte es am Hintereingang zum Saloon. Mit fliegenden Röcken eilte Maggie zur Tür. Sie war so aufgeregt, als wäre sie selbst an Danas Stelle. Schließlich war dies das erste Rendezvous ihres kleinen Wildfanges. Zwar war sie nicht ihre leibliche Mutter, doch der Platz in ihrem Herzen, den Dana innehatte, hätte auch für ein eigenes Kind nicht größer sein können. Maggie drückte die Klinke herunter und öffnete. Draußen stand John. Etwas im Hintergrund wartete Fox auf seinen Freund. Maggie begrüßte die beiden Männer herzlich und bat sie hinein. Fox erwiderte, er wolle draußen warten, doch die Hausherrin duldete keine Widerrede. Mit den Worten: "Dana kommt gleich, sie ist noch in ihrem Zimmer", führte sie die Zwei in den Saloon. Kurz nachdem Maggie nach ihr gerufen hatte erschien sie auch schon am Geländer auf dem oberen Flur. John und Fox blinzelten nach oben. War das wirklich Dana? Elfenhaft schritt sie die Treppe hinunter. Trotz der Schwierigkeiten, die sie vorhin noch damit hatte, überwand sie dieses Hindernis perfekt. Unten angekommen fühlte sie sich, als habe sie eine schwere Prüfung bestanden. Mit einem strahlenden Lächeln blickte sie die Wartenden an.

Ihr Auftritt erzielte die gewünschte Wirkung. Sie war hoch zufrieden über den bewundernden Gesichtsausdruck Johns, noch erfreulicher aber fand sie es zu sehen, wie Fox die Kinnlade herunterfiel. Vor Staunen blieb ihm der Mund offen stehen. Die Hüften schwingend, Dianas Gang nachahmend, stolzierte sie an ihm vorbei auf John zu. Im Vorbeigehen bemerkte sie trocken:
"Mach den Mund zu, Fox. Oder willst du Fliegen fangen?"
Das löste seine Verharrung und er tat wie ihm gesagt. Auch wenn sie aussah wie der fleischgewordene Traum eines Engels, war sie doch immer noch sie selbst. John lächelte sie an, als sie vor ihm stehen blieb, verbeugte sich vor ihr und hielt ihr dann seinen angewinkelten Arm entgegen.
"Mylady. Sie sehen bezaubernd aus."
Dana musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen, aber sie spielte mit. Sie hakte sich an seinem dargebotenen Arm bei ihm unter und ließ sich nach draußen führen.

Vor dem Saloon wartete eine vierspännige Kutsche auf sie. Einer der vier Plätze darin war bereits besetzt. Diana starrte betont desinteressiert aus dem Fenster, als der Kutscher die Türe öffnete um die restlichen drei Fahrgäste einsteigen zu lassen. Mit zuckersüßer Stimme und so liebenswürdig sie konnte, wünschte Dana ihr einen "wunderschönen guten Abend." Zur Antwort bekam sie nur eine gelangweilt dahingemurmelte Begrüßung. Diana musterte das Mädchen kurz und sah dann wieder aus dem Fenster. Sie schien nicht im mindesten beeindruckt von Danas Erscheinung. Als auch die beiden Männer eingestiegen waren, John neben Dana und Fox ihr gegenüber neben Diana platzgenommen hatte, setzte sich die Kutsche in Bewegung. Die Fahrt nach Mainor dauerte keine 30 Minuten, dennoch kam es Dana wie eine Ewigkeit vor. Die gesamte Wegstrecke lang herrschte Schweigen.

Der Ort des Geschehens war durch die laute Musik die ihnen entgegen schlug, schon bevor sie ihr Ziel erreicht hatten, nicht zu verfehlen. Aus den weit geöffneten Türen der großen, ansonsten leerstehenden Scheune, fiel einladendes Licht. Drinnen herrschte ausgelassene Stimmung. Es gab reichlich Essen und Getränke, dazu die flotte Musik, bei der es die meisten Anwesenden nicht an den Tischen hielt. Die Tanzfläche in der Mitte des Raumes war voll. Die vier Neuankömmlinge mischten sich sogleich unter die Menge.

Fox stand wartend am Tresen. Der Andrang hier war geradezu erdrückend und es dauerte ewig, bis man zu seiner Bestellung kam. Dabei wollte er nur zwei neue Drinks für sich und Diana holen. Er sah zurück zu seinem Platz und betrachtete Diana, die ihre Fingernägel nach Schönheitsmängeln untersuchte. Von dort schweifte sein Blick auf die Tanzfläche, wo John eng umschlungen mit Dana tanzte. Die Musiker spielten gerade ein langsames Liebeslied, in sehnsuchtsvoll klagenden Tönen. Bei diesem Anblick verspürte Fox einen stechenden Schmerz in der Brust. Das zu sehen, gefiel im überhaupt nicht. Er hatte seinen Freund noch nie um etwas beneidet, doch jetzt wünschte er sich nichts sehnlicher, als selbst an Johns Stelle zu sein. Er wünschte sich derjenige zu sein, der mit Dana tanzte, derjenige zu sein, der sie in seinen Armen hielt. Aber jetzt war es zu spät. John war ihm zuvorgekommen. Er hatte sofort erkannt, was Fox in all den Jahren nicht gesehen hatte oder nicht sehen wollte. Fox schalt sich selbst für seine Gedanken. Er hatte doch Diana. Warum sollte er also auf seinen Freund eifersüchtig sein? Fox und Dana waren immer wie Geschwister gewesen. Also redete er sich ein, es wäre die Reaktion eines großen Bruders, der seine kleine Schwester plötzlich mit einem anderen Mann teilen muss. Doch tief in seinem Herzen wusste er, dass das nichts weiter war, als ein kläglicher Versuch, seine wahren Gefühle zu verdrängen.

TBC