13 November 2006 @ 03:06 pm
Schatten über heißem Staub (4/5)  
Titel: Schatten über heißem Staub (4/5)
Autor: Rieke
Beta: Cat
Spoiler: none
Rating: PG 13
Kategorie: Western, AU, MSR, minor Character Death
Wordcount: 2.267/13.709
Disclaimer: Dana Scully, Fox Mulder, Walter Skinner, Melissa Scully, John Doggett, Monica Reyes, Diana Fowley, Alex Krycek und alle anderen Figuren aus der Serie, die ich noch vergessen habe, gehören nicht mir, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Aber Lizzy und die Pferde sind meine! Die Stadt Mainor ist frei erfunden.
Short-Cut: Eine kleine Zeitreise in den Wilden Westen

Chapter 3
Chapter 2
Chapter 1





>-> 4 <-<



Der nächste Tag verlief anfangs ruhig und ohne Besonderheiten. Niemand ahnte die Bedrohung, die der Lauf der Sonne mit sich bringen sollte. Sheriff Skinner hatte Dana gestattet, mit Rainbow auszureiten, da die Stute Bewegung brauchte. Gestern schien weit fort zu sein. John hatte sie, nachdem sie sich nach dem Fest verabschiedet hatten, noch nicht wieder gesehen. Und sie hatte im Grunde auch nicht vor, etwas in diese Richtung zu unternehmen. Es war nie die Rede von mehr als diesem einen Abend gewesen. Allerdings brauchte Fox das nicht unbedingt zu wissen. Es hatte ihr gefallen von allen so anders als sonst angesehen zu werden. Und vor allem Fox’ Blicke, die ihr keineswegs entgangen waren, und die sich immer wieder auf sie geheftet hatten, hatten ihr Vergnügen bereitet. Doch jetzt in der alten Hose, dem rot karierten Hemd, die Haare zu einem einfachen Zopf zusammengeflochten, fühlte sie sich deutlich mehr wie sie selbst. In der langsamsten Gangart ritt sie durch den schattigen Wald. Zuvor waren Pferd und Reiterin in wildem Galopp genau die Strecke entlang gestürmt, die Dana vor ein paar Tagen mit Thunderstorm genommen hatte, als man Jagt auf sie gemacht hatte. Nun ruhten sich die zwei im kühlen Wald aus. Dana bewunderte immer wieder aufs neue die natürliche Schönheit des Waldes. Die Sonnenstrahlen fielen schräg durch die Bäume und tauchten alles in goldenes Licht. Vögel zwitscherten irgendwo über ihren Köpfen. Und dieser herrliche Duft. Ein Geruch wie er nur im Wald zu finden war. Völlig in die Natur versunken vergaß Dana alles andere. Ein Schmetterlingspärchen flog ein Stück vor ihr her. Ihre zarten Flügel leuchteten in prächtigen Farben. Sie sah den beiden zu, wie sie sich von dem leichten Windhauch, der durch die Bäume fuhr, treiben ließen. Plötzlich erfüllte ein lauter Knall die Luft. Fast im selben Moment schlug etwas dicht neben Dana in einen Baum ein. Rainbow, von dem Geräusch zutiefst erschreckt, stieg auf die Hinterbeine. Dana, die darauf nicht gefasst gewesen war, reagierte zu spät und verlor den Halt. Das Letzte, was sie mitbekam war, dass sie aus dem Sattel geschleudert wurde. Sie stürzte nach hinten in die Tiefe. Etwas traf sie im Gesicht, bevor sie mit dem Hinterkopf auf dem Boden aufschlug. Bewegungslos blieb sie liegen.

Nachdem ein wenig Zeit vergangen war trat ein großgewachsener, schwarzhaariger Mann neben Dana, die sich noch immer nicht regte. Er blickte sich nach allen Seiten um, griff nach seiner Pistole und richtete sie auf das Mädchen. Erneut hallte ein Schuss durch den Wald. Der Mann krümmte sich vor Schmerz und ließ die Waffe fallen. Scheinbar aus dem Nichts hatte eine Kugel seinen Arm getroffen, bevor er Gelegenheit hatte selbst abzudrücken. Der Schwarzhaarige griff nach seiner Waffe, um sie wieder aufzuheben. Er zuckte zurück, als eine weitere Kugel neben seiner Hand einschlug. Er blickte sich suchend um, konnte aber niemanden entdecken. Wieder griff er nach seiner Waffe und wieder wurde er auf dieselbe Weise davon abgehalten, wie zuvor. Jetzt endlich gab sich der Schütze aus dem Nichts zu erkennen. Seine Waffe auf den Mann neben Dana gerichtet, schritt Fox langsam auf ihn zu. Er dankte dem Zufall oder auch dem Schicksal, dass er gerade jetzt auf seinem Weg nach Hause hier vorbeigekommen war. Den Angreifer erkannte er sofort. Ein vom langen Gefängnisaufenthalt gezeichneter Körper. Das abgemagerte Gesicht war ebenso verschmutzt wie die zerschlissene Sträflingskleidung. Alex Krycek. Dieser sah nun ein, dass er sein Vorhaben nicht zu Ende bringen konnte. Er suchte sein Heil in der Flucht und sprang in das Dickicht der Bäume und Sträucher hinter ihm. Der Wald verschluckte ihn sofort und Fox verlor ihn aus den Augen. Er machte sich gar nicht erst die Mühe, ihm folgen zu wollen. Hauptsache war, das die Gefahr gebannt war. Fox steckte seine Waffe zurück in die Halterung seines Revergürtels und starrte Dana an. Lähmende Angst stieg in ihm auf. Angst, es könnte schon zu spät sein. Das Mädchen lag regungslos auf dem Waldboden. Das blasse Gesicht zum Himmel, die Augen geschlossen. Blut lief aus einer Wunde an der Schläfe über ihr Gesicht. Fox kniete sich neben sie. Sie atmete. Er riss ein Stück Stoff von seinem Ärmel, um die Blutung zu stillen.
"Dana."
Er hatte nicht in diesem leisen Flüsterton sprechen wollen, doch die Angst schnürte ihm die Kehle zu. Es brauchte einen Moment, bis er seine Stimme wieder unter Kontrolle hatte.
"Dana!", wiederholte er, dieses Mal lauter, doch sie rührte sich nicht. Fox spürte, wie ihm kalter Angstschweiß den Rücken hinablief. Das konnte sie doch nicht machen. Sie durfte nicht gehen. Er musste sie zurückholen. Er wusste sich nicht anders zu helfen, als seinen Mund so nahe wie möglich an ihr Ohr zu führen, und ihren Namen zu rufen.
"Dana!"
Immer und immer wieder rief er nach ihr, bis sie endlich die Augen öffnete. Fox war so glücklich darüber, dass er die ganze Welt hätte umarmen können. Dana blinzelte und sah Fox lächelndes Gesicht über sich.
"Was ist passiert?" Sie klang sehr schwach.
"Das ist jetzt nicht so wichtig. Bist du okay?"
"Abgesehen davon, dass sich mein Kopf anfühlt, als hätte jemand ihn zu Mus verarbeitet, geht es mir gut."
Dana versuchte zu lächeln, während ihre Augen die direkte Umgebung absuchten.
"Rainbow. Wo ist sie? Ist ihr was passiert?"
"Mach dir keine Sorgen um sie, sie hat nichts abgekriegt und sie kennt den Weg nach Hause. Sie wird inzwischen alle in höchsten Aufruhr versetzt haben, weil sie ohne dich wiedergekommen ist."
Fox nahm das blutgetränkte Stückchen Stoff von Danas Schläfe. Die Wunde hatte schlimmer ausgesehen, als sie war und hatte inzwischen sogar aufgehört zu bluten.
"Kannst du aufstehen?"
"Sicher."
Sie versuchte sich aufzusetzen, fiel aber sofort wieder nach hinten, als sie den Kopf ein kleines Stück anhob.
"Doch nicht."
Fox, der immer noch neben ihr kniete, schob eine Hand unter ihren Kopf, die andere plazierte er auf ihrem Rücken. Ganz vorsichtig half er ihr aufzustehen. Solange er sie festhielt, stand sie auch, aber sobald er losließ, drohte sie wieder umzufallen.
"Dana, das wird nichts. Wir müssen das anders machen."
"Ich schaff das schon, das geht gleich wieder."
"Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Ich werde dich zu Trusty tragen. Leg deine Arme um meinen Hals und halt dich fest."
Er war schon in Begriff sie hochzuheben, doch Dana protestierte.
"Ich bin doch kein Baby mehr. Ich kann alleine gehen."
"Eben nicht. So kommen wir hier nie weg. Komm schon, es sieht doch keiner."
Nach erneutem Protest von Seiten Danas und folgenden Belehrungen von Fox, gab Dana schließlich nach, da sie feststellen musste, das er Recht hatte. Ein paar Meter entfernt, außerhalb der Gefahrenzone, hatte Fox Trusty an einem Baum angebunden. Dana ließ sich von Fox hochheben und zu seinem Pferd tragen. Unter einigen Mühen schaffte er es, das Mädchen auf Trusty zu heben, sich selbst setzte er dahinter. Fox ritt, die Zügel in der einen Hand und den freien Arm eng um Danas Taille gelegt, um sie festzuhalten. Den ganzen Heimweg lang lehnte Dana an Fox, da sie sich selbst nicht halten konnte. Sie schien die Kontrolle über ihren Körper völlig verloren zu haben. Immer wieder zog Fox sie fester an sich, da sie durch die Bewegung des Pferdes von ihrem Platz rutschte. Wäre nicht dieser furchtbare Schmerz in ihrem Kopf gewesen, hätte sie es beinahe genossen, so an Fox gedrückt zu werden.

>->*<-<


Heftig gestikulierend und aufeinander einredend, standen Maggie und Sheriff Skinner vor dem Saloon. Maggie war außer sich vor Aufregung, da sie eine verschreckte Rainbow ohne Dana vor dem Stall vorgefunden hatten. Dana war eine gute Reiterin und es musste schon einiges passieren, um sie von ihrem Pferd zu trennen. Maggie befürchtete das Schlimmste und alle Bemühungen des Sheriffs, sie zu beruhigen, stießen auf taube Ohren. Plötzlich hielten beide in ihrem Tun inne. Der Redeschwall brach abrupt ab. Der Grund dafür war ein lautes Wiehern, welches von Trusty herrührte, der gerade um die Hausecke bog. Normalerweise bevorzugte Fox eine schnelle Gangart, doch heute ließ er Trusty sehr langsam gehen. Außerdem schien Fox nicht allein im Sattel zu sitzen. Maggie und der Sheriff erkannten sofort die Gestalt, die zusammengekauert in Fox Armen lag. Fast gleichzeitig stürmten die zwei auf das näherkommende Pferd zu.
"Dana!" Maggie wurde blass vor Entsetzen, als sie das Mädchen ansah. "Was ist geschehen, Fox?"
"Sie ist gestürzt", antwortete er wahrheitsgemäß. Wohl wissend, dass das Warum jetzt zu viel für Maggie gewesen wäre.
Ehe Maggie danach fragen konnte, wies der junge Mann sie an, einen Arzt zu holen. Mit fliegenden Röcken machte sie sich sofort auf den Weg. Unterdessen half der Sheriff Fox, die Verletzte von Trusty herunter zu bekommen. Er hob Dana, die allen Widerstand aufgegeben hatte, in die ausgebreiteten Arme des Sheriffs und stieg dann selbst ab.
"Fox." Der leise klagende Ton, mit dem Dana seinen Namen murmelte, war genug, um sie Sheriff Skinner wieder abzunehmen. Auch nach allen Beteuerungen des Sheriffs, Fox hätte doch wirklich schon genug getan, ließ er es sich nicht nehmen, sie bis in ihr Zimmer hinaufzutragen.

Einige Zeit später, nachdem der Arzt bei Dana gewesen war und ihr strickte Bettruhe verordnet hatte, klopfte John an ihre Zimmertür. Die Nachricht von diesem unglückseligen Ereignis hatte sich wie ein Lauffeuer durch den kleinen Ort verbreitet. Sobald sie bis zu ihm vorgedrungen war, war John zum Saloon geeilt. Es kam keine Aufforderung einzutreten aus dem Zimmer, doch drückte er vorsichtig die Türklinke herunter. Dana schlief. Maggie hatte ihm bereits gesagt, er würde sie nicht wach vorfinden, doch er wollte sie sehen. Leise ging er durch den Raum an ihr Bett. Nachdem er eine Weile einfach nur dastand und sie betrachtete, erinnerte er sich wieder an den Blumenstrauß in seiner Hand, den er ihr mitgebracht hatte. Sich im Raum umschauend fand er eine Vase, die er mit Wasser füllte, die Blumen hinein gab und sie auf den Tisch stellte. Noch einmal ging er zu Dana und flüsterte:
"Schlaf dich gesund."
Er verließ den Raum und Dana öffnete kurz die Augen, um dieses Mal, als sie sie wieder schloss, wirklich einzuschlafen.

>->*<-<


"Hi." Fox stand mit einem Strauß Blumen in der Hand in der Tür. Dana drehte ihren Kopf vorsichtig zu ihm und schenkte ihm ein schwaches Lächeln.
"Hi." Ihre Stimme war nicht mehr als ein tonloses Flüstern.
"Wie fühlst du dich?" Fox setzte sich auf einen Stuhl neben ihrem Bett.
"Als wäre mein Kopf in einen Schraubstock gespannt. Der Arzt sagt, ich habe eine Gehirnerschütterung."
Fox tat es beinahe selbst weh, Dana so zu sehen. Über der Wunde an ihrer Stirn klebte zwar inzwischen ein Pflaster, doch war ihr Gesicht noch immer Kreidebleich. Sie sah schwach und krank aus. Fox wusste nicht recht, was er sagen sollte, also präsentierte er ihr seinen Blumenstrauß.
"Die habe ich dir mitgebracht. Gefallen sie dir?"
"Danke, sie sind wundervoll."
Fox’ Blick fiel auf die Vase, in der die Blumen von John standen.
"Ich sehe, ich bin nicht der Erste, der dir Blumen schenkt."
"Ja, die sind von John. Er war vorhin hier." Mit einem Lächeln fügte sie hinzu: "Aber deine sind schöner."
"Hast du eine zweite Vase hier?"
"Nein, wenn du gehst, sag Maggie, sie soll bitte eine heraufbringen."
"Wird gemacht."
Er legte den Strauß erstmal auf den Tisch, neben die anderen. Dann setzte er sich wieder zu Dana. Deren Augen wurden plötzlich sehr ernst.
"Du hast mir immer noch nicht gesagt, was eigentlich passiert ist. Ich kann mich nur noch an einen lauten Knall erinnern. Was war das?"
Fox holte tief Luft.
"Jemand hat auf dich geschossen. Es war Krycek."
"Krycek? Er ist hier?"
"Er hat versucht, dich umzubringen."
"Nein, das ist nicht wahr."
"Doch das ist es. Dana, das war ein Mordanschlag. Wenn ich nicht rechtzeitig gekommen wäre, wärst du jetzt nicht mehr."
"Dann hast du mir also das Leben gerettet."
Zärtlich strich er ihr ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Dana schloss die Augen, was Fox als Müdigkeit und nicht als das was es war, die Reaktion auf seine Berührung, auffasste.
"Vorhin, als ich dich da liegen sah und im ersten Moment dachte, du seiest tot, da ist mir klargeworden, dass ich es nicht verkraften würde, dich zu verlieren. Als Freund."
Mit einem Lächeln fügte er hinzu:
"Ich brauche doch jemanden, der mir hin und wieder die Meinung sagt.“
Dana brachte ein schwaches Lächeln zustande, hatte aber nicht mehr die Kraft zu antworten.
"Versprich mir, dass du nichts Unüberlegtes gegen Krycek unternimmst. Verzeih mir meinen Beschützerinstinkt, du weißt, du bist für mich immer wie meine Schwester gewesen, auf die ich aufpassen muss. Mein kleines Mädchen."
Fox beugte sich über sie und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. Wieder ließ Dana die Augen etwas zu lange geschlossen, aber in ihrem Zustand fiel Fox das nicht weiter auf.
"Du bist sicher müde. Ich will nicht länger stören."
Sie schloss die Augen, als wolle sie tatsächlich schlafen. Er erhob sich von seinem Platz, ging leise zur Tür und schloss diese mit einem letzten Blick auf Dana, hinter sich. Das Geräusch, das die Türklinke von sich gab, welches Dana sagte, dass Fox ihr Zimmer verlassen hatte, ließ sie die Augen wieder öffnen. Tränen rannen über ihre Wangen auf ihr Kopfkissen. Tränen, die sie nur mit Mühe hatte zurück halten können, und die jetzt mit aller Wucht aus ihr heraus brachen. Nicht sosehr wegen dem, was Krycek ihr antun wollte, auch nicht wegen den schrecklichen Kopfschmerzen, sondern vielmehr Fox’ Worte waren der Auslöser gewesen. "Mein kleines Mädchen" hatte er gesagt. Sie war kein kleines Mädchen mehr. Sie war eine Frau. Sah er das denn wirklich nicht oder wollte er es nicht sehen. Wie seine Schwester! Das war das allerwenigste, was Dana sein wollte. Sie wollte nicht bloß sein Freund sein. Sie wollte mehr, viel mehr.

TBC