Titel: Schatten über heißem Staub (5/5)
Autor: Rieke
Beta: Cat
Spoiler: none
Rating: PG 13
Kategorie: Western, AU, MSR, minor Character Death
Wordcount: 3.374/13.709
Disclaimer: Dana Scully, Fox Mulder, Walter Skinner, Melissa Scully, John Doggett, Monica Reyes, Diana Fowley, Alex Krycek und alle anderen Figuren aus der Serie, die ich noch vergessen habe, gehören nicht mir, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Aber Lizzy und die Pferde sind meine! Die Stadt Mainor ist frei erfunden.
Short-Cut: Eine kleine Zeitreise in den Wilden Westen
Chapter 4
Chapter 3
Chapter 2
Chapter 1

>-> 5 <-<
Fünf Tage später durfte Dana das Bett wieder verlassen. Sie fühlte sich noch etwas wacklig auf den Beinen, doch die Kopfschmerzen waren so gut wie verflogen. Ihr erster Weg führte sie zum Stall. Die Tür stand offen. Suchend sah sie sich um, als sie eintrat. Zwei wohlbekannte Stimmen begrüßten das Mädchen. John und Fox führten ihre Pferde hinaus, um in den Arbeitstag aufzubrechen. Doch für Dana hatten sie immer Zeit. Nachdem sie sich mehr als eingehend über ihren Gesundheitszustand erkundigt hatten und allerlei Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht hatten, deutete John auf ein Plakat, das am Nebenhaus hing.
"Weiß einer von euch, wer das ist?"
In den Gesichtern seiner Begleiter konnte er deutlich die Antwort lesen. Beim Anblick des Steckbriefes von Krycek erging es Dana diesmal nicht viel anders wie vor ein paar Tagen in der Stadt. In Fox’ Augen stand etwas undefinierbares, furchteinflößendes.
"Ihr kennt ihn?“, hakte John nach.
"Allerdings."
John betrachtete mit etwas wie Respekt die Summe, die für die Belohnung ausgesetzt war.
"Muss ja ’n großes Kaliber sein. Was will so einer in unserem kleinen Örtchen?"
"Er ist wegen mir hier", antwortete Dana beinahe tonlos.
Fox blickte Dana verunsichert an.
"Ich denke, er sollte es wissen." Sie schien seine Frage auch ohne Worte verstanden zu haben.
"Was? Was sollte ich wissen?" Jetzt war es an John, irritiert zu sein.
"Der Unfall vor fünf Tagen, das war kein Unfall", begann Dana langsam.
"Nein?" Johns Augen weiteten sich.
"Nein, es war ein Versuch mich zu töten. Von ihm." Sie deutete auf das Plakat. "Wenn Fox nicht gewesen wäre, dann..." Sie brach ab.
"Warum?“ John war wie vor den Kopf gestoßen.
"Rache. Erst meine Aussage hat ihn damals ins Gefängnis gebracht. Ich wusste zuviel. Dinge, die man besser nicht wissen sollte. Ich habe nur zufällig etwas gesehen, was ich nicht hätte sehen dürfen. Aber dadurch war ich eine Gefahr für ihn. Eine Gefahr, die beseitigt werden muss. Er hat schon einmal versucht, mich umzubringen. Er kam damals erst in den Saloon, als alle anderen Gäste bereits gegangen waren. Es war schon dunkel. Maggie war unterwegs gewesen, weil sie noch etwas zu erledigen hatte. Krycek glaubte mich allein in meinem Zimmer. Davor wartete er ab. Als die Tür von Innen geöffnet wurde, und ein rothaariges Mädchen heraustrat, schoss er. Aber das war nicht ich. Er traf Melissa, meine Schwester. Kopfschuss. Jede Hilfe kam zu spät. Es gab keine Rettung mehr für sie."
Unter Tränen fügte Dana hinzu:
"Die Kugel war für mich bestimmt, und er wird nicht aufgeben, ehe er sein Ziel erreicht hat."
"Ich hätte ihn erschießen sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte", presste Fox hervor.
Dana schüttelte den Kopf. Durch die Tränen sah sie in seine Augen.
"Dann wärst du nicht besser als er."
Während er mit Djacko seine Arbeit auf den östlichen Rinderweiden, wo er heute gebraucht wurde, verrichtete, ging John Danas Geschichte über Krycek nicht aus dem Sinn. Wieso sagte sie ihm das erst jetzt? Und warum wollte Fox nicht, dass er es wusste? Da er sich die Antworten sowieso nicht selbst geben konnte, schob er die Fragen wieder beiseite und konzentrierte sich auf Wichtigeres. Seine Arbeit. Doch schon bald wurde er erneut gestört. Diesmal durch Djacko. Eins seiner Hufeisen hatte sich gelockert und so konnte er nicht mehr richtig auftreten. Nachdem John die Ursache für das Problem seines Pferdes festgestellt hatte, führte er ihn seufzend in den Ort zurück in Richtung Hufschmied. Djacko wirkte auf Betrachter stets als stolzes Tier, das genau zu wissen schien, aus welch edler Linie es stammte. Seine ebenmäßig braune Fellfarbe wurde nur durch die kleine weiße Zeichnung an der Hinterhand unterbrochen. Er war zuweilen recht dickköpfig, aber wenn es drauf ankam, konnte sich John keinen besseren Partner vorstellen. Die Schmiede befand sich am Ortsausgang. Das Erste, was man sah, wenn man von Mainor aus in den Ort kam. Als sie endlich dort ankamen, war John froh, nicht lange warten zu müssen. Er hatte einen guten Zeitpunkt erwischt und der Schmied machte sich sofort ans Werk. Während John nun wartete, durchstreifte er mit seinen Augen die nähere Umgebung. Aus dem Ortskern kam eine Gestalt auf ihn zu. Weiblich, so viel ließ sich auf die Entfernung hin feststellen. Je näher sie kam und je sicherer John wusste, wer sich da auf ihn zu bewegte, umso strahlender wurde sein Gesichtsausdruck. Die elegant gekleidete Frau stammte ganz sicher nicht von hier, denn sie bewegte sich mit der Sicherheit und Grazie einer echten Lady. Ihre Schritte beschleunigten sich etwas, als sie den Mann fast erreicht hatte. Vor ihm angekommen blieb sie stehen und er nahm sie in seine Arme. Zwischen ihnen brauchte es keine Worte.
Geistesabwesend saß Fox im Saloon und wartete darauf, dass sein Freund sich zu ihm gesellte. Er müsste jeden Augenblick eintreffen. Der Abend brach langsam herein und die Arbeit war längst getan. Fox fragte sich, wo John heute so lange blieb und noch etwas anderes beschäftigte ihn. Die Szene vor der Schmiede war Fox nicht verborgen geblieben. Er war dort vorbei gekommen und hatte John mit jener Frau gesehen, einer Frau, die er nicht kannte, John dafür wohl umso besser. Beide hatten Fox nicht einmal bemerkt, als er die Straße entlang ritt. Na, gleich würde John hier sein. Er würde ihn einfach zur Rede stellen. Da flogen auch schon die Flügel der Türe auseinander und einen Moment später ließ sich John neben seinem Freund nieder. Nach einer ausgiebigen Begrüßung kam Fox gleich zum Punkt:
"Wer war die Frau bei dir heute Nachmittag vor der Schmiede?"
"Woher...?"
"Ich bin vorbei geritten, aber ihr habt mich anscheinend überhaupt nicht bemerkt." Fox grinste.
"Möglich." John grinste ebenfalls. "Ich hab mich so gefreut, sie zu sehen."
"Und wer ist sie nun?"
"Ihr Name ist Monica. Monica Reyes. Sie ist meine Verlobte."
"Du bist verlobt?", Fox glaubte nicht richtig gehört zu haben.
"Hatte ich es nicht erwähnt?" John schien sich nicht im mindesten ertappt zu fühlen.
"Nein, hast du nicht."
"Oh, ich vergaß wohl. Na jetzt weißt du‘s ja."
"Und Dana?"
"Was soll mit ihr sein? Sie war ein netter Zeitvertreib.“ Der ältere der beiden Männer grinste breit.
Anstatt einer Antwort, erntete John nur einen grimmigen Blick von seinem Freund.
Fox musste all seine Beherrschung zusammennehmen, um das Zucken in seiner Hand unter Kontrolle zu behalten. Er verspürte große Lust, seinem Gegenüber dieses dämliche Grinsen aus dem Gesicht zu schlagen.
"Das kann dir doch nur recht sein", fuhr John fort. "Ich hab doch gesehen, wie du die Kleine auf dem Fest angestarrt hast."
"Was?" Fox war so perplex, dass ihm im ersten Moment nichts anderes mehr einfiel.
"Komm schon, das war doch nicht zu übersehen. Dir wären doch bald die Augen aus dem Kopf gefallen. Deine Diana kann da nicht mithalten. Ich hab den besseren Fang gemacht und das ärgert dich."
"Dana ist doch keine Beute, auf die man Jagt macht und sie dann wie eine Trophäe vor sich her trägt. Sie ist kein Spielzeug. Und schon gar nicht deines."
"Was geht dich das überhaupt an? Sie gehört dir nicht."
Damit hatte John wohl den Wunden Punkt in Fox' Innern getroffen. Denn kaum hatte er den Satz ausgesprochen, traf ihn die Faust seines Freundes mit voller Wucht im Gesicht. Fox gab alle Zurückhaltung auf und warf seinen Gegner von dessen Stuhl zu Boden. John, der von diesem Angriff etwas überrascht gewesen war, setzte zur Gegenwehr an. Er stand wieder auf und stürzte sich sogleich auf Fox. Diesmal landeten beide Männer auf dem Boden. Sie wandten sich hin und her, wild aufeinander einschlagend. Diese Szene blieb in dem vollen Raum natürlich nicht unbemerkt. Ringsherum nahmen einige die Schlägerei der beiden als Einladung, sich ebenfalls mit ihren Tischgenossen anzulegen. Und ehe sie sich versahen, artete das Ganze in eine regelrechte Massenschlägerei aus. Das war hier nichts Ungewöhnliches. Es kam immer wieder mal vor. Es war die Art der Männer hier, sich auszutoben. Für Lizzy war es schon beinahe etwas Selbstverständliches. Sie blieb seelenruhig hinter dem Tresen stehen und schaute sich von dort aus das Treiben an. Die würden sich schon von selbst wieder beruhigen. Hin und wieder schob sie ein Glas beiseite, wenn eine Faust oder sonstige Körperteile der außer Kontrolle geratenen Gäste zu nahe kamen. Seltsam war nur, dass es diesmal von Fox ausgegangen war. Er hatte so etwas noch nie getan. Lizzy hatte von dem Gespräch der zwei Männer nur einzelne Fetzen mitbekommen. Sie war zu weit von ihnen entfernt, um alles verstehen zu können. Es muss wohl um Dana gegangen sein. Ihren Namen hatte sie deutlich heraus gehört. Das Mädchen lächelte in sich hinein. Was würde ihre Freundin wohl dazu sagen, wenn sie wüsste, dass die Beiden sich wegen ihr prügelten. Doch sie brauchte gar nicht lange darüber nachzusinnen, den schon tauchte die Betreffende, angelockt von dem Lärm, hinter Lizzy auf.
"Und? Wer war's diesmal?" Dana sah sich neugierig im Raum um, um festzustellen, wer alles mitmischte.
"Fox."
"Fox?" Danas Verwunderung hätte nicht größer sein können, ihre Augen suchten ungläubig nach dem genannten.
"Dort." Das blonde Mädchen zeigte in die Ecke, in der John und Fox noch immer nicht voneinander gelassen hatten.
"Aber... wieso?" Sie konnte absolut nicht verstehen, warum Fox auf einmal auf John losging.
Lizzy setzte einen bedeutungsschweren Blick auf.
"Es ging um dich", erklärte sie.
"Um mich?" Jetzt verstand Dana die Welt nicht mehr. "Warum sollte sich jemand wegen mir Schlagen?"
"Nicht jemand. Fox." Sie sah ihre Freundin mit einem vielsagenden Lächeln an.
"Du spinnst doch." Dana ließ Lizzy stehen und ging wieder, konnte sich aber ein kleines Lächeln nicht verkneifen.
Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, John gegangen und Fox zufrieden seinen Wiskey austrank, setzte sich Dana zu Fox. Um nicht den Verdacht zu erregen, dass sie etwas von seiner Prügelei mit John mitbekommen hatte, zielte ihre Frage in eine ganz andere Richtung.
"Wo ist Diana?" Denn das Mädchen wunderte sich, dass sie sie heute noch nirgends registriert hatte. Wo man sie doch sonst kaum übersehen konnte.
"Sie ist weg. Heute morgen ist sie abgereist."
"So plötzlich?" Der spitze Unterton in Danas Stimme war nicht zu überhören. „Wie lange haben wir diesmal Ruhe vor ihr?"
"Sie wird nicht wiederkommen. Wir haben uns getrennt."
Den Sinn dieser Worte realisierend, blieb Dana einen Moment die Luft weg. Doch schon im nächsten Moment entsann sie sich ihrer selbst.
"Du nimmst mir doch hoffentlich nicht übel, dass mir das keineswegs leid tut."
Fox lächelte. "Ich weiß doch, was du von ihr hältst. Ich habe sie verlassen, deshalb tut es mir auch nicht leid. Und außerdem... hab’ ich da schon länger jemand Bestimmtes im Auge."
"So? Kenne ich sie?", meldete sich die Neugier des Mädchens.
"Vielleicht." Er grinste.
"Komm schon, verrat es mir. Ich bin's. Mir kannst du's doch sagen."
"Nein."
"Du bist gemein."
Fox’ Grinsen wurde immer breiter.
"Du wirst es noch früh genug erfahren. Ich muss nochmal weg."
So ließ er Dana und ihre Neugier allein zurück. Auf die Idee, dass er sie selbst gemeint haben könnte, kam sie erst gar nicht. Und wenn, dann nur in flüchtigen Träumen, die ihr Verstand als pures Hirngespinst abtat.
Der nächste Tag verstrich, ohne dass etwas Erwähnenswertes geschah. Erst am Abend waren Stimmen im Stall zu hören, die das, was sie erzählten, verborgen halten sollten. Doch wähnten John und Fox sich allein, als ein lauschendes Ohr ihnen zuhörte:
"Sagen wir es ist unentschieden. Du bist zwar mit Dana ausgegangen, aber darum haben wir nicht gewettet. Es war mehr als ich dachte, aber weniger als du wolltest. Ich gebe Trusty nicht her."
John nickte, um sein Einverständnis zu zeigen. Er hatte keine Lust sich zu streiten, denn zu frisch war die Erinnerung an seine letzte Begegnung mit Fox’ Faust, die deutliche Spuren auf seinem Gesicht hinterlassen hatte. Ein leuchtend blaues Veilchen zierte sein linkes Auge. Plötzlich starrte Fox wie versteinert die Stallgasse hinunter. John folgte seinem Blick und wurde blass. Dana stand in der Stalltür. Ihre wütende Miene deutete auf nichts Gutes hin. Die Hände in ihren Hosentaschen zu Fäusten ballend, versuchte sie ihre Fassung wiederzuerlangen. Sie sah nur Fox an. Am liebsten hätte sie ihn angeschrien, doch den Pferden zuliebe würde sie ihre Stimme unter Kontrolle halten. Den anderen Mann würdigte sie keines Blickes mehr.
"Das bin ich also für euch. Das alles war nur eine eurer kindischen Wetten? Und dann auch noch um Trusty?", sie spuckte die Worte geradezu aus.
"Dana, du kennst uns doch, wir wetten einfach gerne", versuchte Fox sie zu beschwichtigen.
"Eure anderen blödsinnigen Wetten sind mir egal. Ihr könnt soviel wetten, wir ihr wollt, aber nicht um mich!"
Jetzt war ihre Stimme nur noch ein bedrohliches Flüstern. Sie machte auf dem Absatz kehrt und rannte davon.
"Dana!" Fox wollte ihr hinterherlaufen, aber John hielt ihn an der Schulter fest. Er schüttelte den Kopf.
"Lass sie sich beruhigen."
Doch Fox riss sich von ihm los und eilte aus dem Stall.
Dana drehte den Schlüssel im Schloß herum. Sie wollte jetzt keine anderen Menschen mehr sehen. Vom Stall war sie ohne stehen zu bleiben bis zum Saloon, und dann die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf gerannt. Außer Atem warf sie sich auf ihr Bett. Sie war nicht nur sauer, sie war wütend. Auf John, auf Fox und am meisten auf sich selbst. Wie hatte sie nur annehmen können, das wirklich jemand sie für begehrenswert hielt. Die Beine an den Körper gezogen, den Kopf auf die Knie gelegt, saß sie immer noch da, als es an der Zimmertür klopfte.
"Dana?" Sofort erkannte sie Fox’ Stimme.
"Lass mich mit dir reden." Sie gab keine Antwort.
"Dana bitte, ich weiß, dass du da bist."
Im Zimmer blieb es still.
"Wenn du mich schon nicht rein lassen willst, dann hör mir wenigstens zu. Ich weiß, dass du wütend auf mich bist. Ich wäre es auch. Ich hab dich verletzt und es tut mir leid. Diese Wette war eine blöde Idee. Aber bitte glaub’ mir. Du bedeutest mir mehr als alle anderen, das weiß ich jetzt. Ich wollte dir ganz sicher nicht weh tun. Im Gegenteil, dich unglücklich zu sehen macht mich traurig. Ich habe dich bisher immer als gute Freundin gesehen, aber auf dem Fest ist etwas mit mir passiert. Du hast so wunderschön ausgesehen. Als ich dich da mit John tanzen sah, war es wie ein Stich ins Herz. Ich habe gemerkt, dass meine Gefühle für dich viel tiefer gehen. Ich will dich keinesfalls bedrängen, wenn du nicht so für mich empfindest, dann akzeptiere ich das. Aber wenn doch, dann verspreche ich, dich glücklich zu machen. Bitte, verzeih mir."
Es wurde wieder ruhig vor der Tür. Fox schien auf eine Antwort zu warten, die aber nicht kam. Bevor sich seine Schritte entfernten und auf der Treppe knarrten, flüsterte er etwas. Drei kleine Worte, kaum zu hören drangen an ihr Ohr und ihr Herz verstand.
Immer noch in der gleichen Position saß das Mädchen auf ihrem Bett. Jetzt war sie erst recht unfähig, sich zu rühren. Hatte sie das wirklich gehört? Hatte er das wirklich gesagt? Oder hatte sie sich das nur eingebildet? Hätte sie ihm die Tür öffnen sollen? Ihm wenigstens antworten? Ihm sagen, was er so gerne hören wollte? Sollte sie ihn suchen? Oder einfach hier sitzen bleiben und warten? Warten worauf? Zu viele Gedanken auf einmal schwirrten durch Danas Kopf. Alles begann sich zu drehen. Plötzlich fuhr Dana vor Schreck zusammen. Das Geräusch zweier kurz hintereinander abgefeuerter Schüsse schalte durchs Haus. Es kam von unten aus dem Saloon. Dana lauschte an ihrer Tür. Nichts. Was war da los? Fox war doch gerade erst dort hinunter gegangen. Mit klopfendem Herzen öffnete sie leise ihre Zimmertür und lief von Angst und Neugier getrieben zur Treppe. Als sie sah, was vor sich gegangen war, blieb sie wie vom Donner gerührt stehen. Drei Männer befanden sich im Saloon. Fox, der angeschossen auf dem Boden lag und Alex Krycek der mit seiner Waffe auf den dritten Mann, den Sheriff zielte. Was danach geschah, erschien Dana wie in Zeitlupe abzulaufen, doch es waren nur Bruchteile von Sekunden. Sie hörte sich selbst einen erschütternden Schrei ausstoßen. Reflexartig wollte sie dies noch verhindern, indem sie ihre Hand vor den Mund führte, da sie so Kryceks Aufmerksamkeit auf sich lenken würde, doch es war schon zu spät. Krycek, erfreut endlich das, wonach er suchte, im Visier zu haben, richtete seine Waffe auf Dana. Das Mädchen war völlig erstarrt bei Fox’ Anblick. Er brauchte nur abzudrücken. Ein triumphierendes Grinsen trat in sein Gesicht. Die totbringende Kugel bohrte sich direkt in das Herz ihres Opfers. Blut spuckend ging es zu Boden, sich windend vor Schmerzen. Minuten später war es tot.
Dana stand immer noch am Treppenabsatz. Ihre entsetzten Augen lösten sich endlich von Fox und sahen auf die ganze Szenerie nieder. Krycek lag in einer roten Lache aus seinem eigenen Blut ein Stück von Fox entfernt. Die tödliche Kugel, die ihn getroffen hatte, kam aus der Waffe des Sheriffs, der geistesgegenwärtig schneller gehandelt hatte. Am ganzen Körper zitternd, ging Dana die Treppe hinunter. Neben Fox blieb sie stehen. Er hatte das Bewusstsein verloren, doch er atmete noch. Die für ihn bestimmte Kugel hatte seinen Brustkorb gestreift und ihr Ziel knapp verfehlt. Aus einer tiefen Wunde sickerte Blut auf sein Hemd. In diesem Moment wünschte sich Dana nichts sehnlicher, als ihm helfen zu können. Zu wissen, was getan werden musste. Leben retten zu können. Dieser Gedanke würde sich für alle Zeiten festsetzen. Doch jetzt konnte sie nichts tun. Sie musste tatenlos auf den Arzt warten, zu dem der Sheriff in Windeseile unterwegs war. Dana ließ sich auf die Knie fallen. Den anderen Mann, der tot ein paar Meter weiter lag, schien sie vergessen zu haben. Er interessierte nicht mehr. Ganz vorsichtig, um die Wunde nicht zu berühren, beugte Dana sich dicht an Fox’ Ohr. Fast lag sie auf seiner Schulter. Leise, ganz leise flüsterte sie die Worte, die nur für ihn allein bestimmt waren, die zu hören er sich so sehr gewünscht hatte und die bis in sein Bewusstsein vordrangen.
"Ich liebe dich."
"Scully, wachen Sie auf."
Scully? Was war das für ein Name und wieso kam er ihr so vertraut vor? Ein paar Sekunden dauerte es, bis das Mädchen begriff, dass sie damit gemeint war. Die Stimme, die sie gehört hatte, kam von oben. Es war eindeutig Fox’ Stimme. Aber wie... er lag doch direkt vor ihr auf dem harten Boden. Und warum aufwachen? Sie schlief doch gar nicht. Ihre Augen waren offen, oder nicht? Dana schloß die Augen um sie wieder öffnen zu können. Sie blinzelte als ihre Umgebung sich plötzlich ganz anders darstellte. Der Raum war dunkel und leer. Sie lag mit dem Oberkörper auf einen Strohballen gelehnt. Vor ihr stand der gerade noch schwer verwundete Mann. Gesund und völlig unversehrt.
"Fox!" Noch schien sie nicht ganz in der Wirklichkeit angekommen zu sein. Sein zurechtweisender Blick ließ sie sich korrigieren.
"Entschuldigung, Mulder."
Jetzt war sie wieder zurück in der Realität. Sie musste vorhin eingeschlafen sein. Doch sie war so erleichtert, ihren Partner wohlbehalten vor sich stehen zu sehen, dass sie zu seinem Erstaunen dem Drang ihn ganz fest zu umarmen nachgab. Einen Augenblick reglos vor Überraschung erwiderte er schließlich die Umarmung.
"Ist alles in Ordnung?" Mulder war hörbar verwirrt.
"Es war nur ein Traum... es war nur ein Traum."
Sie ließ ihn wieder los und lächelte ihn etwas verlegen an.
"Habe ich lange geschlafen?"
"Ich habe über eine Stunde lang nach Ihnen gesucht, bis ich sie hier gefunden habe. Was wollten Sie hier?"
"Ich hab mir nur die..." Sie verstummte. Verstört blickte sie im Raum umher. Die Bilder, die sie sich vor einer Weile betrachtet hatte, waren fort. Auch das Portrait von dem rothaarigen Mädchen. Die Wände waren leer. Aber sie hatte sie doch gesehen. Mit ihren eigenen Augen. Oder hatte sie auch das nur geträumt?
"Lassen Sie uns gehen." Es würde das Beste sein nach Hause zu fahren, entschied sie.
Zurück am geparkten Ford, fühlte sie sich wieder besser.
Nur eine Sache gab es da noch.
"Ich möchte mich für mein Verhalten von vorhin entschuldigen", sagte sie unvermittelt. "Es war nicht richtig und es tut mir leid."
"Schon vergessen", beschwichtigte Mulder sie. "Sie hatten recht. Es gab weder eine Entführung noch ein außerirdisches Raumschiff. Nur einen Hubschrauber und einen dummen Jungenstreich. Wir sind also vollkommen umsonst hier gewesen."
"Nein, das sind wir nicht." Scully nahm Mulders Hand und schenkte ihm ein umwerfendes Lächeln. "Es war nicht umsonst."
Ende
Autor: Rieke
Beta: Cat
Spoiler: none
Rating: PG 13
Kategorie: Western, AU, MSR, minor Character Death
Wordcount: 3.374/13.709
Disclaimer: Dana Scully, Fox Mulder, Walter Skinner, Melissa Scully, John Doggett, Monica Reyes, Diana Fowley, Alex Krycek und alle anderen Figuren aus der Serie, die ich noch vergessen habe, gehören nicht mir, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Aber Lizzy und die Pferde sind meine! Die Stadt Mainor ist frei erfunden.
Short-Cut: Eine kleine Zeitreise in den Wilden Westen
Chapter 4
Chapter 3
Chapter 2
Chapter 1
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Fünf Tage später durfte Dana das Bett wieder verlassen. Sie fühlte sich noch etwas wacklig auf den Beinen, doch die Kopfschmerzen waren so gut wie verflogen. Ihr erster Weg führte sie zum Stall. Die Tür stand offen. Suchend sah sie sich um, als sie eintrat. Zwei wohlbekannte Stimmen begrüßten das Mädchen. John und Fox führten ihre Pferde hinaus, um in den Arbeitstag aufzubrechen. Doch für Dana hatten sie immer Zeit. Nachdem sie sich mehr als eingehend über ihren Gesundheitszustand erkundigt hatten und allerlei Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht hatten, deutete John auf ein Plakat, das am Nebenhaus hing.
"Weiß einer von euch, wer das ist?"
In den Gesichtern seiner Begleiter konnte er deutlich die Antwort lesen. Beim Anblick des Steckbriefes von Krycek erging es Dana diesmal nicht viel anders wie vor ein paar Tagen in der Stadt. In Fox’ Augen stand etwas undefinierbares, furchteinflößendes.
"Ihr kennt ihn?“, hakte John nach.
"Allerdings."
John betrachtete mit etwas wie Respekt die Summe, die für die Belohnung ausgesetzt war.
"Muss ja ’n großes Kaliber sein. Was will so einer in unserem kleinen Örtchen?"
"Er ist wegen mir hier", antwortete Dana beinahe tonlos.
Fox blickte Dana verunsichert an.
"Ich denke, er sollte es wissen." Sie schien seine Frage auch ohne Worte verstanden zu haben.
"Was? Was sollte ich wissen?" Jetzt war es an John, irritiert zu sein.
"Der Unfall vor fünf Tagen, das war kein Unfall", begann Dana langsam.
"Nein?" Johns Augen weiteten sich.
"Nein, es war ein Versuch mich zu töten. Von ihm." Sie deutete auf das Plakat. "Wenn Fox nicht gewesen wäre, dann..." Sie brach ab.
"Warum?“ John war wie vor den Kopf gestoßen.
"Rache. Erst meine Aussage hat ihn damals ins Gefängnis gebracht. Ich wusste zuviel. Dinge, die man besser nicht wissen sollte. Ich habe nur zufällig etwas gesehen, was ich nicht hätte sehen dürfen. Aber dadurch war ich eine Gefahr für ihn. Eine Gefahr, die beseitigt werden muss. Er hat schon einmal versucht, mich umzubringen. Er kam damals erst in den Saloon, als alle anderen Gäste bereits gegangen waren. Es war schon dunkel. Maggie war unterwegs gewesen, weil sie noch etwas zu erledigen hatte. Krycek glaubte mich allein in meinem Zimmer. Davor wartete er ab. Als die Tür von Innen geöffnet wurde, und ein rothaariges Mädchen heraustrat, schoss er. Aber das war nicht ich. Er traf Melissa, meine Schwester. Kopfschuss. Jede Hilfe kam zu spät. Es gab keine Rettung mehr für sie."
Unter Tränen fügte Dana hinzu:
"Die Kugel war für mich bestimmt, und er wird nicht aufgeben, ehe er sein Ziel erreicht hat."
"Ich hätte ihn erschießen sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte", presste Fox hervor.
Dana schüttelte den Kopf. Durch die Tränen sah sie in seine Augen.
"Dann wärst du nicht besser als er."
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Während er mit Djacko seine Arbeit auf den östlichen Rinderweiden, wo er heute gebraucht wurde, verrichtete, ging John Danas Geschichte über Krycek nicht aus dem Sinn. Wieso sagte sie ihm das erst jetzt? Und warum wollte Fox nicht, dass er es wusste? Da er sich die Antworten sowieso nicht selbst geben konnte, schob er die Fragen wieder beiseite und konzentrierte sich auf Wichtigeres. Seine Arbeit. Doch schon bald wurde er erneut gestört. Diesmal durch Djacko. Eins seiner Hufeisen hatte sich gelockert und so konnte er nicht mehr richtig auftreten. Nachdem John die Ursache für das Problem seines Pferdes festgestellt hatte, führte er ihn seufzend in den Ort zurück in Richtung Hufschmied. Djacko wirkte auf Betrachter stets als stolzes Tier, das genau zu wissen schien, aus welch edler Linie es stammte. Seine ebenmäßig braune Fellfarbe wurde nur durch die kleine weiße Zeichnung an der Hinterhand unterbrochen. Er war zuweilen recht dickköpfig, aber wenn es drauf ankam, konnte sich John keinen besseren Partner vorstellen. Die Schmiede befand sich am Ortsausgang. Das Erste, was man sah, wenn man von Mainor aus in den Ort kam. Als sie endlich dort ankamen, war John froh, nicht lange warten zu müssen. Er hatte einen guten Zeitpunkt erwischt und der Schmied machte sich sofort ans Werk. Während John nun wartete, durchstreifte er mit seinen Augen die nähere Umgebung. Aus dem Ortskern kam eine Gestalt auf ihn zu. Weiblich, so viel ließ sich auf die Entfernung hin feststellen. Je näher sie kam und je sicherer John wusste, wer sich da auf ihn zu bewegte, umso strahlender wurde sein Gesichtsausdruck. Die elegant gekleidete Frau stammte ganz sicher nicht von hier, denn sie bewegte sich mit der Sicherheit und Grazie einer echten Lady. Ihre Schritte beschleunigten sich etwas, als sie den Mann fast erreicht hatte. Vor ihm angekommen blieb sie stehen und er nahm sie in seine Arme. Zwischen ihnen brauchte es keine Worte.
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Geistesabwesend saß Fox im Saloon und wartete darauf, dass sein Freund sich zu ihm gesellte. Er müsste jeden Augenblick eintreffen. Der Abend brach langsam herein und die Arbeit war längst getan. Fox fragte sich, wo John heute so lange blieb und noch etwas anderes beschäftigte ihn. Die Szene vor der Schmiede war Fox nicht verborgen geblieben. Er war dort vorbei gekommen und hatte John mit jener Frau gesehen, einer Frau, die er nicht kannte, John dafür wohl umso besser. Beide hatten Fox nicht einmal bemerkt, als er die Straße entlang ritt. Na, gleich würde John hier sein. Er würde ihn einfach zur Rede stellen. Da flogen auch schon die Flügel der Türe auseinander und einen Moment später ließ sich John neben seinem Freund nieder. Nach einer ausgiebigen Begrüßung kam Fox gleich zum Punkt:
"Wer war die Frau bei dir heute Nachmittag vor der Schmiede?"
"Woher...?"
"Ich bin vorbei geritten, aber ihr habt mich anscheinend überhaupt nicht bemerkt." Fox grinste.
"Möglich." John grinste ebenfalls. "Ich hab mich so gefreut, sie zu sehen."
"Und wer ist sie nun?"
"Ihr Name ist Monica. Monica Reyes. Sie ist meine Verlobte."
"Du bist verlobt?", Fox glaubte nicht richtig gehört zu haben.
"Hatte ich es nicht erwähnt?" John schien sich nicht im mindesten ertappt zu fühlen.
"Nein, hast du nicht."
"Oh, ich vergaß wohl. Na jetzt weißt du‘s ja."
"Und Dana?"
"Was soll mit ihr sein? Sie war ein netter Zeitvertreib.“ Der ältere der beiden Männer grinste breit.
Anstatt einer Antwort, erntete John nur einen grimmigen Blick von seinem Freund.
Fox musste all seine Beherrschung zusammennehmen, um das Zucken in seiner Hand unter Kontrolle zu behalten. Er verspürte große Lust, seinem Gegenüber dieses dämliche Grinsen aus dem Gesicht zu schlagen.
"Das kann dir doch nur recht sein", fuhr John fort. "Ich hab doch gesehen, wie du die Kleine auf dem Fest angestarrt hast."
"Was?" Fox war so perplex, dass ihm im ersten Moment nichts anderes mehr einfiel.
"Komm schon, das war doch nicht zu übersehen. Dir wären doch bald die Augen aus dem Kopf gefallen. Deine Diana kann da nicht mithalten. Ich hab den besseren Fang gemacht und das ärgert dich."
"Dana ist doch keine Beute, auf die man Jagt macht und sie dann wie eine Trophäe vor sich her trägt. Sie ist kein Spielzeug. Und schon gar nicht deines."
"Was geht dich das überhaupt an? Sie gehört dir nicht."
Damit hatte John wohl den Wunden Punkt in Fox' Innern getroffen. Denn kaum hatte er den Satz ausgesprochen, traf ihn die Faust seines Freundes mit voller Wucht im Gesicht. Fox gab alle Zurückhaltung auf und warf seinen Gegner von dessen Stuhl zu Boden. John, der von diesem Angriff etwas überrascht gewesen war, setzte zur Gegenwehr an. Er stand wieder auf und stürzte sich sogleich auf Fox. Diesmal landeten beide Männer auf dem Boden. Sie wandten sich hin und her, wild aufeinander einschlagend. Diese Szene blieb in dem vollen Raum natürlich nicht unbemerkt. Ringsherum nahmen einige die Schlägerei der beiden als Einladung, sich ebenfalls mit ihren Tischgenossen anzulegen. Und ehe sie sich versahen, artete das Ganze in eine regelrechte Massenschlägerei aus. Das war hier nichts Ungewöhnliches. Es kam immer wieder mal vor. Es war die Art der Männer hier, sich auszutoben. Für Lizzy war es schon beinahe etwas Selbstverständliches. Sie blieb seelenruhig hinter dem Tresen stehen und schaute sich von dort aus das Treiben an. Die würden sich schon von selbst wieder beruhigen. Hin und wieder schob sie ein Glas beiseite, wenn eine Faust oder sonstige Körperteile der außer Kontrolle geratenen Gäste zu nahe kamen. Seltsam war nur, dass es diesmal von Fox ausgegangen war. Er hatte so etwas noch nie getan. Lizzy hatte von dem Gespräch der zwei Männer nur einzelne Fetzen mitbekommen. Sie war zu weit von ihnen entfernt, um alles verstehen zu können. Es muss wohl um Dana gegangen sein. Ihren Namen hatte sie deutlich heraus gehört. Das Mädchen lächelte in sich hinein. Was würde ihre Freundin wohl dazu sagen, wenn sie wüsste, dass die Beiden sich wegen ihr prügelten. Doch sie brauchte gar nicht lange darüber nachzusinnen, den schon tauchte die Betreffende, angelockt von dem Lärm, hinter Lizzy auf.
"Und? Wer war's diesmal?" Dana sah sich neugierig im Raum um, um festzustellen, wer alles mitmischte.
"Fox."
"Fox?" Danas Verwunderung hätte nicht größer sein können, ihre Augen suchten ungläubig nach dem genannten.
"Dort." Das blonde Mädchen zeigte in die Ecke, in der John und Fox noch immer nicht voneinander gelassen hatten.
"Aber... wieso?" Sie konnte absolut nicht verstehen, warum Fox auf einmal auf John losging.
Lizzy setzte einen bedeutungsschweren Blick auf.
"Es ging um dich", erklärte sie.
"Um mich?" Jetzt verstand Dana die Welt nicht mehr. "Warum sollte sich jemand wegen mir Schlagen?"
"Nicht jemand. Fox." Sie sah ihre Freundin mit einem vielsagenden Lächeln an.
"Du spinnst doch." Dana ließ Lizzy stehen und ging wieder, konnte sich aber ein kleines Lächeln nicht verkneifen.
Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, John gegangen und Fox zufrieden seinen Wiskey austrank, setzte sich Dana zu Fox. Um nicht den Verdacht zu erregen, dass sie etwas von seiner Prügelei mit John mitbekommen hatte, zielte ihre Frage in eine ganz andere Richtung.
"Wo ist Diana?" Denn das Mädchen wunderte sich, dass sie sie heute noch nirgends registriert hatte. Wo man sie doch sonst kaum übersehen konnte.
"Sie ist weg. Heute morgen ist sie abgereist."
"So plötzlich?" Der spitze Unterton in Danas Stimme war nicht zu überhören. „Wie lange haben wir diesmal Ruhe vor ihr?"
"Sie wird nicht wiederkommen. Wir haben uns getrennt."
Den Sinn dieser Worte realisierend, blieb Dana einen Moment die Luft weg. Doch schon im nächsten Moment entsann sie sich ihrer selbst.
"Du nimmst mir doch hoffentlich nicht übel, dass mir das keineswegs leid tut."
Fox lächelte. "Ich weiß doch, was du von ihr hältst. Ich habe sie verlassen, deshalb tut es mir auch nicht leid. Und außerdem... hab’ ich da schon länger jemand Bestimmtes im Auge."
"So? Kenne ich sie?", meldete sich die Neugier des Mädchens.
"Vielleicht." Er grinste.
"Komm schon, verrat es mir. Ich bin's. Mir kannst du's doch sagen."
"Nein."
"Du bist gemein."
Fox’ Grinsen wurde immer breiter.
"Du wirst es noch früh genug erfahren. Ich muss nochmal weg."
So ließ er Dana und ihre Neugier allein zurück. Auf die Idee, dass er sie selbst gemeint haben könnte, kam sie erst gar nicht. Und wenn, dann nur in flüchtigen Träumen, die ihr Verstand als pures Hirngespinst abtat.
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Der nächste Tag verstrich, ohne dass etwas Erwähnenswertes geschah. Erst am Abend waren Stimmen im Stall zu hören, die das, was sie erzählten, verborgen halten sollten. Doch wähnten John und Fox sich allein, als ein lauschendes Ohr ihnen zuhörte:
"Sagen wir es ist unentschieden. Du bist zwar mit Dana ausgegangen, aber darum haben wir nicht gewettet. Es war mehr als ich dachte, aber weniger als du wolltest. Ich gebe Trusty nicht her."
John nickte, um sein Einverständnis zu zeigen. Er hatte keine Lust sich zu streiten, denn zu frisch war die Erinnerung an seine letzte Begegnung mit Fox’ Faust, die deutliche Spuren auf seinem Gesicht hinterlassen hatte. Ein leuchtend blaues Veilchen zierte sein linkes Auge. Plötzlich starrte Fox wie versteinert die Stallgasse hinunter. John folgte seinem Blick und wurde blass. Dana stand in der Stalltür. Ihre wütende Miene deutete auf nichts Gutes hin. Die Hände in ihren Hosentaschen zu Fäusten ballend, versuchte sie ihre Fassung wiederzuerlangen. Sie sah nur Fox an. Am liebsten hätte sie ihn angeschrien, doch den Pferden zuliebe würde sie ihre Stimme unter Kontrolle halten. Den anderen Mann würdigte sie keines Blickes mehr.
"Das bin ich also für euch. Das alles war nur eine eurer kindischen Wetten? Und dann auch noch um Trusty?", sie spuckte die Worte geradezu aus.
"Dana, du kennst uns doch, wir wetten einfach gerne", versuchte Fox sie zu beschwichtigen.
"Eure anderen blödsinnigen Wetten sind mir egal. Ihr könnt soviel wetten, wir ihr wollt, aber nicht um mich!"
Jetzt war ihre Stimme nur noch ein bedrohliches Flüstern. Sie machte auf dem Absatz kehrt und rannte davon.
"Dana!" Fox wollte ihr hinterherlaufen, aber John hielt ihn an der Schulter fest. Er schüttelte den Kopf.
"Lass sie sich beruhigen."
Doch Fox riss sich von ihm los und eilte aus dem Stall.
Dana drehte den Schlüssel im Schloß herum. Sie wollte jetzt keine anderen Menschen mehr sehen. Vom Stall war sie ohne stehen zu bleiben bis zum Saloon, und dann die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf gerannt. Außer Atem warf sie sich auf ihr Bett. Sie war nicht nur sauer, sie war wütend. Auf John, auf Fox und am meisten auf sich selbst. Wie hatte sie nur annehmen können, das wirklich jemand sie für begehrenswert hielt. Die Beine an den Körper gezogen, den Kopf auf die Knie gelegt, saß sie immer noch da, als es an der Zimmertür klopfte.
"Dana?" Sofort erkannte sie Fox’ Stimme.
"Lass mich mit dir reden." Sie gab keine Antwort.
"Dana bitte, ich weiß, dass du da bist."
Im Zimmer blieb es still.
"Wenn du mich schon nicht rein lassen willst, dann hör mir wenigstens zu. Ich weiß, dass du wütend auf mich bist. Ich wäre es auch. Ich hab dich verletzt und es tut mir leid. Diese Wette war eine blöde Idee. Aber bitte glaub’ mir. Du bedeutest mir mehr als alle anderen, das weiß ich jetzt. Ich wollte dir ganz sicher nicht weh tun. Im Gegenteil, dich unglücklich zu sehen macht mich traurig. Ich habe dich bisher immer als gute Freundin gesehen, aber auf dem Fest ist etwas mit mir passiert. Du hast so wunderschön ausgesehen. Als ich dich da mit John tanzen sah, war es wie ein Stich ins Herz. Ich habe gemerkt, dass meine Gefühle für dich viel tiefer gehen. Ich will dich keinesfalls bedrängen, wenn du nicht so für mich empfindest, dann akzeptiere ich das. Aber wenn doch, dann verspreche ich, dich glücklich zu machen. Bitte, verzeih mir."
Es wurde wieder ruhig vor der Tür. Fox schien auf eine Antwort zu warten, die aber nicht kam. Bevor sich seine Schritte entfernten und auf der Treppe knarrten, flüsterte er etwas. Drei kleine Worte, kaum zu hören drangen an ihr Ohr und ihr Herz verstand.
Immer noch in der gleichen Position saß das Mädchen auf ihrem Bett. Jetzt war sie erst recht unfähig, sich zu rühren. Hatte sie das wirklich gehört? Hatte er das wirklich gesagt? Oder hatte sie sich das nur eingebildet? Hätte sie ihm die Tür öffnen sollen? Ihm wenigstens antworten? Ihm sagen, was er so gerne hören wollte? Sollte sie ihn suchen? Oder einfach hier sitzen bleiben und warten? Warten worauf? Zu viele Gedanken auf einmal schwirrten durch Danas Kopf. Alles begann sich zu drehen. Plötzlich fuhr Dana vor Schreck zusammen. Das Geräusch zweier kurz hintereinander abgefeuerter Schüsse schalte durchs Haus. Es kam von unten aus dem Saloon. Dana lauschte an ihrer Tür. Nichts. Was war da los? Fox war doch gerade erst dort hinunter gegangen. Mit klopfendem Herzen öffnete sie leise ihre Zimmertür und lief von Angst und Neugier getrieben zur Treppe. Als sie sah, was vor sich gegangen war, blieb sie wie vom Donner gerührt stehen. Drei Männer befanden sich im Saloon. Fox, der angeschossen auf dem Boden lag und Alex Krycek der mit seiner Waffe auf den dritten Mann, den Sheriff zielte. Was danach geschah, erschien Dana wie in Zeitlupe abzulaufen, doch es waren nur Bruchteile von Sekunden. Sie hörte sich selbst einen erschütternden Schrei ausstoßen. Reflexartig wollte sie dies noch verhindern, indem sie ihre Hand vor den Mund führte, da sie so Kryceks Aufmerksamkeit auf sich lenken würde, doch es war schon zu spät. Krycek, erfreut endlich das, wonach er suchte, im Visier zu haben, richtete seine Waffe auf Dana. Das Mädchen war völlig erstarrt bei Fox’ Anblick. Er brauchte nur abzudrücken. Ein triumphierendes Grinsen trat in sein Gesicht. Die totbringende Kugel bohrte sich direkt in das Herz ihres Opfers. Blut spuckend ging es zu Boden, sich windend vor Schmerzen. Minuten später war es tot.
Dana stand immer noch am Treppenabsatz. Ihre entsetzten Augen lösten sich endlich von Fox und sahen auf die ganze Szenerie nieder. Krycek lag in einer roten Lache aus seinem eigenen Blut ein Stück von Fox entfernt. Die tödliche Kugel, die ihn getroffen hatte, kam aus der Waffe des Sheriffs, der geistesgegenwärtig schneller gehandelt hatte. Am ganzen Körper zitternd, ging Dana die Treppe hinunter. Neben Fox blieb sie stehen. Er hatte das Bewusstsein verloren, doch er atmete noch. Die für ihn bestimmte Kugel hatte seinen Brustkorb gestreift und ihr Ziel knapp verfehlt. Aus einer tiefen Wunde sickerte Blut auf sein Hemd. In diesem Moment wünschte sich Dana nichts sehnlicher, als ihm helfen zu können. Zu wissen, was getan werden musste. Leben retten zu können. Dieser Gedanke würde sich für alle Zeiten festsetzen. Doch jetzt konnte sie nichts tun. Sie musste tatenlos auf den Arzt warten, zu dem der Sheriff in Windeseile unterwegs war. Dana ließ sich auf die Knie fallen. Den anderen Mann, der tot ein paar Meter weiter lag, schien sie vergessen zu haben. Er interessierte nicht mehr. Ganz vorsichtig, um die Wunde nicht zu berühren, beugte Dana sich dicht an Fox’ Ohr. Fast lag sie auf seiner Schulter. Leise, ganz leise flüsterte sie die Worte, die nur für ihn allein bestimmt waren, die zu hören er sich so sehr gewünscht hatte und die bis in sein Bewusstsein vordrangen.
"Ich liebe dich."
>->*<-<
"Scully, wachen Sie auf."
Scully? Was war das für ein Name und wieso kam er ihr so vertraut vor? Ein paar Sekunden dauerte es, bis das Mädchen begriff, dass sie damit gemeint war. Die Stimme, die sie gehört hatte, kam von oben. Es war eindeutig Fox’ Stimme. Aber wie... er lag doch direkt vor ihr auf dem harten Boden. Und warum aufwachen? Sie schlief doch gar nicht. Ihre Augen waren offen, oder nicht? Dana schloß die Augen um sie wieder öffnen zu können. Sie blinzelte als ihre Umgebung sich plötzlich ganz anders darstellte. Der Raum war dunkel und leer. Sie lag mit dem Oberkörper auf einen Strohballen gelehnt. Vor ihr stand der gerade noch schwer verwundete Mann. Gesund und völlig unversehrt.
"Fox!" Noch schien sie nicht ganz in der Wirklichkeit angekommen zu sein. Sein zurechtweisender Blick ließ sie sich korrigieren.
"Entschuldigung, Mulder."
Jetzt war sie wieder zurück in der Realität. Sie musste vorhin eingeschlafen sein. Doch sie war so erleichtert, ihren Partner wohlbehalten vor sich stehen zu sehen, dass sie zu seinem Erstaunen dem Drang ihn ganz fest zu umarmen nachgab. Einen Augenblick reglos vor Überraschung erwiderte er schließlich die Umarmung.
"Ist alles in Ordnung?" Mulder war hörbar verwirrt.
"Es war nur ein Traum... es war nur ein Traum."
Sie ließ ihn wieder los und lächelte ihn etwas verlegen an.
"Habe ich lange geschlafen?"
"Ich habe über eine Stunde lang nach Ihnen gesucht, bis ich sie hier gefunden habe. Was wollten Sie hier?"
"Ich hab mir nur die..." Sie verstummte. Verstört blickte sie im Raum umher. Die Bilder, die sie sich vor einer Weile betrachtet hatte, waren fort. Auch das Portrait von dem rothaarigen Mädchen. Die Wände waren leer. Aber sie hatte sie doch gesehen. Mit ihren eigenen Augen. Oder hatte sie auch das nur geträumt?
"Lassen Sie uns gehen." Es würde das Beste sein nach Hause zu fahren, entschied sie.
Zurück am geparkten Ford, fühlte sie sich wieder besser.
Nur eine Sache gab es da noch.
"Ich möchte mich für mein Verhalten von vorhin entschuldigen", sagte sie unvermittelt. "Es war nicht richtig und es tut mir leid."
"Schon vergessen", beschwichtigte Mulder sie. "Sie hatten recht. Es gab weder eine Entführung noch ein außerirdisches Raumschiff. Nur einen Hubschrauber und einen dummen Jungenstreich. Wir sind also vollkommen umsonst hier gewesen."
"Nein, das sind wir nicht." Scully nahm Mulders Hand und schenkte ihm ein umwerfendes Lächeln. "Es war nicht umsonst."
Ende
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